/ 06.06.2013
Gralf-Peter Calliess / Matthias Mahlmann (Hrsg.)
Der Staat der Zukunft. Vorträge der 9. Tagung des Jungen Forum Rechtsphilosophie in der IVR, 27.-29. April 2001 an der Freien Universität Berlin
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2002 (ARSP-Beiheft 83); 226 S.; kart., 60,- €; ISBN 3-515-08048-1Eine durchgreifende "Entzauberung" des Staates - und in deren Folge auch der Staatstheorie - ist in den Rechts- und Sozialwissenschaften gängig geworden. Ob mit Blick auf Prozesse der Transnationalisierung ein Souveränitätsverlust konstatiert, hinsichtlich steigender Autonomie gesellschaftlicher Akteure ein Steuerungsdefizit behauptet oder angesichts immer noch hoher Staatsquoten ein "schlanker" Staat gefordert wird, in allen Fällen ist das Diktum Jellineks "'[p]olitisch' heißt 'staatlich'" problematisch geworden (13). In diesem Kontext wollen die Autoren die Prozesse veränderter Staatlichkeit aus rechtsphilosophischer Perspektive reflektieren, nicht zuletzt, "um kritische Maßstäbe für ihre Bewertung aufzurichten oder - ebenso wichtig - schlicht zu bewahren" (12). Die genannte Tagung ist - wie der Herausgeber betont - "vom Bundesministerium der Justiz - und nicht etwa vom Bundesministerium des Innern, welches das Staatsmodernierungsprogramm federführend koordiniert - als im Bundesinteresse liegend gefördert worden" (12).
Inhalt: Gralf-Peter Calliess / Matthias Mahlmann: Der Staat der Zukunft. Eine Einleitung (11-26). I. Staatlichkeit und internationale Verflechtung: Christoph Kletzer: Recht und Unordnung. Versuch einer staatsrechtlichen Grenzziehung (27-39); Petra Dobner: Handlungsbedingungen konstitutioneller Politik in der Transformation des Staates (41-54); Detlef von Daniels: Vier Asse und ein Revolver. Der Weltstaat als Garant des ewigen Friedens? (55-68). II. Recht und Staat: Lorenz Kähler: Abschied vom rechtsphilosophischen Etatismus. Besteht ein notwendiger Zusammenhang zwischen Recht und Staat? (69-83); Martin Hochhuth: Staatsräson - Geldräson - Menschenräson. Die Selbstpreisgabe des Staates, besonders im Völkerrecht, und wem sie nützt (85-107). III. Privatisierung: Angela Augustin: Gefängnisse als Privatbetrieb und Staatsverständnis (109-119); Jens Thomas Füller: Deregulierung durch europäisches Kartellrecht (121-137). IV. Staat, Identität und Gemeinschaft: Karsten K. Krüger: Volk, Nation und Staatsbürgerschaft in multiethnischen Gesellschaften. Der Umgang mit Minderheiten und Migranten in der Demokratie (139-153); Michael Hirsch: Der Staat als Kirche. Die Gemeinschaft "des Politischen" (155-171); Christoph Konrath: Der Staat als Identitätsstifter? (173-187). V. Gerechtigkeit: Carola von Villiez: Vom Nationalstaat zu globaler Gerechtigkeit (189-202); Felix Ekardt: Grundrechte für zukünftige Menschen? Vorstudien zu einer Theorie intergenerationeller Gerechtigkeit und einem erneuerten Liberalismus (203-216). VI. Recht und Staatlichkeit in Transformationsgesellschaften: Piotr Czarny: Begrenzung der Staatsgewalt und Verfassungsgerichtsbarkeit in Polen (217-224).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.21 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Gralf-Peter Calliess / Matthias Mahlmann (Hrsg.): Der Staat der Zukunft. Stuttgart: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8823-der-staat-der-zukunft_19773, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19773
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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