/ 17.06.2013
Richard Meng
Der Medienkanzler. Was bleibt vom System Schröder?
Frankfurt a. M.: Suhrkamp Taschenbuch Verlag 2002; 249 S.; 10,- €; ISBN 3-518-12165-7Die Bundestagswahl 1998 markiert wenigstens auf der Ebene politischer Symbolik einen tief greifenden Wechsel in der Geschichte der Republik. Mit dem politischen Generationswechsel erhielt nicht nur erstmals eine Koalition links vom bürgerlichen Lager die Regierungsmehrheit, der Wechsel ist zugleich auch von etlichen Protagonisten als Modernisierung des politischen Stils kommuniziert worden. In dieser Wahrnehmung spielt der "Medienkanzler" Gerhard Schröder - mit großem Machtinstinkt ausgestattet, aber ohne erkennbare inhaltlich-programmatische Autorität (vgl. 211 f.) - eine zentrale Rolle. Meng, stellvertretender Büroleiter der Frankfurter Rundschau in Berlin, will - bezogen auf die erste Legislaturperiode der rotgrünen Koalition - einen kritischen "Bericht aus dem Zentrum der Macht" geben (9), der "relative Erfolge und vertane Chancen gleichermaßen" betrachtet. Der besondere Reiz der Studie besteht darin, dass der Autor ausdrücklich auf eine Textsorte zielt, die sich in der Schnittmenge journalistischer und sozialwissenschaftlich-analytischer Darstellung bewegt. Aufgrund der Nähe zu Ereignissen und Akteuren entwirft er "nach Jahren der journalistischen Begleitung der Bonner und nun Berliner Republik [...] ein Innenbild, das komplett auf Primärquellen beruht" (9).
Inhalt: I. Kein Weg führt mehr zurück; II. Das Innenbild des Systems Schröder: 1. Entwicklungsschübe eines Kanzlerneulings; 2. Der Typ Schröder; 3. Konsens statt Konflikt. III. Der politisch-mediale Komplex: 1. In der Medienmetropole; 2. Die neue Kommunikations-Oberschicht; 3. Megabotschaften, beiderseits. IV. Orte der Transformation: 1. Die größte Krise; 2. Die Kanzlerpartei; 3. Die Außenministerpartei; 4. Das Regierungsparlament. V. Kabinettsbiografien: 1. Otto Schily; 2. Hans Eichel; 3. Joschka Fischer. VI. Spuren des Medienkanzlers: 1. Die Bilanz keines Projekts; 2. Spielräume des Politischen; 3. Kanzler 2020.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.331 | 2.333 | 2.322
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Richard Meng: Der Medienkanzler. Frankfurt a. M.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16757-der-medienkanzler_19253, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19253
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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