/ 22.06.2013
Horst W. Opaschowski
Der Deutschland-Plan. Was in Politik und Gesellschaft getan werden muss
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2011; 256 S.; geb., 19,99 €; ISBN 978-3-579-06671-4Opaschowski stellt in diesem Buch nicht zum ersten Mal die These auf, dass es der Politik an verantwortungsbewusstem und vorausschauendem Handeln mangelt. Die derzeitige Politik werde von nicht auf Weitsichtigkeit beruhenden Reaktionen bestimmt, es fehlten handlungsanleitende Visionen. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis präsentiert der Autor gesellschaftliche „Was-passiert-wenn-nichts-passiert“-Szenarien. Er prognostiziert unter anderem steigende Politikverdrossenheit und schwindende politische Legitimation, eine stetig wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie eine zunehmende Gefährdung des sozialen Friedens, einen wachsenden Leistungsdruck im Beruf und ein deshalb vorhandenes erhöhtes Gesundheitsrisiko sowie ein Auflösen der Privatsphäre und die allgegenwärtige Realität des sogenannten gläsernen Konsumenten. Auf Grundlage dieser Risikoanalyse stellt Opaschowski mehrere von Weitsicht und Verantwortung getragene Agenden vor, die schnellstmöglich umgesetzt werden sollten. Für den Bereich Arbeit gilt es etwa, die größer werdende Anzahl an älteren Beschäftigten als Chance zu begreifen, da die Wirtschaft auf über 50-jährige Arbeitnehmer angewiesen sein wird. Nach Ansicht des Autors wäre es möglich, auf freiwilliger Basis die Erwerbstätigkeit zu verlängern und damit der Rente mit 67 den Zwangscharakter zu nehmen. Für den Bereich Bildung schlägt Opaschowski eine Ganztagsbetreuung vor, um auch Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern neue Lern- und Bildungschancen zu eröffnen. Das ganzheitliche Lernziel Leben setzt sich für ihn aus Erziehung, Bildung und Ausbildung zusammen. Im Bereich Umwelt konzentriert sich der Autor fast ausschließlich auf individuelle Komponenten und plädiert für einen Einstellungswandel, der nicht mehr ein materielles Immer-mehr, sondern ein immaterielles Immer-besser als richtig ansieht. Opaschowski versteht sich mit seinen Vorschlägen für eine bessere Zukunft auch als Sprachrohr der deutschen Gesellschaft, da er die mittels einer repräsentativen Umfrage festgestellte Erwartung, dass Deutschland eine Sozial-, Generationen- und Hilfeleistungsgesellschaft sein soll, in seinem „Deutschland-Plan“ konsequent verfolgt.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3 | 2.34 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Horst W. Opaschowski: Der Deutschland-Plan. Gütersloh: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34653-der-deutschland-plan_41642, veröffentlicht am 15.03.2012.
Buch-Nr.: 41642
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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