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/ 11.06.2013
Olaf Winkel

Demokratische Politik und Kommunikation im 21. Jahrhundert. Informationstechnischer Wandel und demokratischer Prozeß, betrachtet aus der Vogelperspektive

Münster: Lit 1999 (Medien & Politik 13); 158 S.; brosch., 34,80 DM; ISBN 3-8258-4285-1
Gesellschaft als Soziales System nach Luhmann; Technikentwicklung als "Technikspirale, [wonach] davon auszugehen [ist], daß technische Innovationen nicht nur Probleme lösen, sondern auch neue Probleme verursachen, die man unter Ausnutzung neuer technischer Potentiale zu bewältigen sucht" (6) - unter diesen Prämissen diskutiert der Autor das Verhältnis zwischen neuer Informationstechnologie und Demokratie "aus der Vogelperspektive" (1). Nach der Feststellung, daß die Ausdifferenzierung moderner Gesellschaften in immer weitere autopoietische Subsysteme unmittelbar mit den neuen Medien und der Globalisierung zusammenhängt, geht er der Frage nach, welche Probleme unter diesen Bedingungen von der Kommunikationstechnologie gelöst werden können und welche neuen Probleme geschaffen werden. Der Fokus liegt dabei auf den organisatorischen Strukturen der parlamentarisch-repräsentativen Demokratie. Winkel zeigt auf, wie in diesen Strukturen soziale Differenzierung und Globalisierung zu einer Steuerungs- und Legitimitätskrise geführt haben, die also mittelbar von dem technologischen Wandel in der Kommunikationstechnologie verursacht ist. Von drei möglichen Reaktionen auf diesen Befund - optimistisch, neutralistisch, pessimistisch - entscheidet er sich für die neutralistische Haltung, die Chancen und Risiken des Internets als gleichwertig betrachtet. Mit dieser Haltung, nach der eine staatliche oder halbstaatliche Steuerung der Informationstechnologie sowohl als möglich gedacht als auch für nötig gehalten wird, untersucht er Strategien, wie die Chancen maximiert, die Risiken minimiert werden können. Daraus zeichnet er ein Bild möglicher struktureller Reformen, mit denen die repräsentative Demokratie in Bereichen, welche besonders hart von der Steuerungs- und Legitimitätskrise betroffen sind, durch Elemente deliberativer Demokratie unter Zuhilfenahme neuer Technologien ergänzt werden könnten. Inhaltsübersicht: 2. Zentrale Begriffe und Sachverhalte; 3. Die Krise der Politik im sozialen und technischen Wandel; 4. Die aktuelle Diskussion um die demokratischen Potentiale des Internet; 5. Neutralismus als Pragmatismus; 6. Die Chancen der Politik im sozialen und technischen Wandel; 7. Die Realisierung der politischen Potentiale der interaktiven Informationstechnologien als inkrementaler Prozeß.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.22.3332.22 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Olaf Winkel: Demokratische Politik und Kommunikation im 21. Jahrhundert. Münster: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10195-demokratische-politik-und-kommunikation-im-21-jahrhundert_12059, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12059 Rezension drucken
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