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/ 04.07.2013
Siegfried Schiele

Demokratie in Gefahr?

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2013; 126 S.; 14,80 €; ISBN 978-3-89974836-9
Siegfried Schiele nimmt sich mit „Demokratie in Gefahr?“ einer aktuellen, gleichzeitig jedoch schon vielfach bearbeiteten Frage an. Seine Intention besteht dabei darin, eine sachliche Untersuchung der Schwächen und Gefahren für die deutsche Demokratie sowie der Möglichkeiten zu ihrer Stabilisierung zu liefern. In leicht verständlicher Sprache gelingt dies auch, allerdings doch eher auf eine sehr oberflächliche, vage und wenig innovative Art. In einem Parforceritt werden hier alle in irgendeiner Art mit Demokratie zusammenhängenden Aspekte aufgeworfen – beispielsweise das Grundgesetz, das Internet, der Rechtsstaat – und gewöhnlich viel zu knapp abgehandelt. Zu den zumindest vermeintlichen strukturellen Schwächen der Demokratie zählt der Autor unter anderem die Langsamkeit, Kostspieligkeit, Komplexität und Formalität der Demokratie. Aktuelle Gefahren für sie sieht er vor allem in der für ihn weitgehend nicht nachvollziehbaren Politikverachtung, dem Rückgang der politischen Beteiligung und dem fehlenden Vertrauen der Bürger in die Politiker. Als Abhilfe für Letzteres schlägt er persönliche Begegnungen vor, durch die die Kluft zwischen Politiker und Bürger geschlossen werden könnte. In aller Kürze geht Schieler auch noch auf so komplexe Themen wie die Unwissenheit, den Idealbürger, die Integration von Migranten oder Formen der direkten Demokratie ein. Die Antwort auf die Titelfrage lautet schließlich, dass die Demokratie in Deutschland nicht in akuter Gefahr ist, aber doch gefährdeter, als manche glauben. Um diese Gefahr nicht zu groß werden zu lassen, setzt Schiele neben der Verantwortung der Politik und der Medien vor allem auf die politische Bildung. Diese nicht besonders originelle, aber für einen ehemaligen Direktor einer Landeszentrale für politische Bildung nicht überraschende Lösung wird leider zu sehr auf die epistemischen Aspekte im Schulunterricht zugeschnitten, statt zumindest auch die Bedeutung von zivilgesellschaftlichen Einrichtungen zu betonen, in der man Demokrat durch die demokratische Praxis werden kann. Ziel dieser politischen Bildung sollte dann ein realistischerer Blick auf die Demokratie sein, der vor Enttäuschung bewahrt. Ob dies allein allerdings die Demokratie retten wird – wie der Autor offensichtlich denkt –, bleibt angesichts von zahlreichen strukturellen und globalen Herausforderungen, die in diesem Buch höchstens angerissen werden, eher zweifelhaft.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.35 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Siegfried Schiele: Demokratie in Gefahr? Schwalbach/Ts.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35913-demokratie-in-gefahr_43748, veröffentlicht am 04.07.2013. Buch-Nr.: 43748 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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