/ 17.10.2013
Stanisław Filipowicz
Democracy – The Power of Illusion
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2013 (Lex et Res Publica 2); 235 S.; 46,95 €; ISBN 978-3-631-62894-2„Dieses Buch“, schreibt der Politikwissenschaftler Stanislaw Filipowicz, Professor an der Universität Warschau, in der Einleitung, „enthält keine großartigen Behauptungen. Es ähnelt eher einem Frage‑ denn einem Ausrufezeichen.“ (16) Gegenstand der mit dieser Anspielung angedeuteten Kritik ist die aus der europäischen Aufklärung hervorgegangene Vorstellung demokratischer Herrschaft, also der – um Winston Churchill zu paraphrasieren – schlechtesten Form von Herrschaft, ausgenommen alle anderen. Filipowicz ist dabei von der Befürchtung getrieben, dass die zeitgenössische Demokratie, weil sie als selbstverständlich, unhintergehbar, gar als nicht kritisierbar begriffen werde, angesichts sich permanent wandelnder Verhältnisse früher oder später ihre eigene Fortentwicklung vernachlässigen und dann dysfunktional werden könnte. Dem stellt Filipowicz eine Praxis der Kritik im Sinne einer konstruktiven Weiterentwicklung angesichts sich verändernder Umfeldbedingungen gegenüber, die er in seinem Buch in zwei Teilen entfaltet. Im ersten Teil widmet er sich der breiten ideengeschichtlichen Rekonstruktion die Etablierung des Mythos der Demokratie einerseits sowie der Beschaffenheit der sich ständig wandelnden Umfeldbedingungen andererseits. Im zweiten Teil nimmt der Autor hingegen konkrete Praktiken der modernen, auf große Nationalstaaten ausgerichteten Demokratie in den Blick und hinterfragt kritisch – und auch hier wieder ideengeschichtlich fundiert – deren Wirkungsweise. Meinungsbildung in der politischen Öffentlichkeit, Gesetzgebung und Repräsentationsmechanismen werden erörtert, um am Ende hinreichend Zweifel und Zögern hervorzurufen, sodass ein unkritischer Umgang mit Demokratie unmöglich wird. Trotz einer mitunter schwer zugänglichen, weil sehr komplexen und anspielungsreichen Sprache ist der Band am Ende dann genau das, was er zu sein verspricht: ein Fragezeichen, ein Ausgangspunkt für eine kritische Evaluation von Dingen, die landläufig für selbstverständlich gehalten werden, es aber nicht sind.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.41
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Stanisław Filipowicz: Democracy – The Power of Illusion Frankfurt a. M. u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36304-democracy--the-power-of-illusion_44435, veröffentlicht am 17.10.2013.
Buch-Nr.: 44435
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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