/ 22.06.2013
Mundo Yang
Deliberative Politik von unten. Eine diskursanalytische Feldstudie dreier politischer Kleingruppen
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Studien zur Politischen Soziologie 17); 232 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-8329-7247-9Diss. Flensburg; Begutachtung: H. Brunkhorst, D. Friedrich. – Die bisherige Literatur zur deliberativen Demokratie, so der Ausgangspunkt des Autors, behandle diese als normatives Ideal, dessen Umsetzung in der politischen Realität entweder gar nicht oder aber zumindest nur auf der Ebene gesellschaftlicher Eliten mit hohem Bildungsstand zu erreichen sei. Yang hingegen zeigt am Beispiel dreier lokaler politischer Kleingruppen aus dem gewerkschaftlichen (Ver.di), globalisierungskritischen (Attac) und parteipolitischen (Linkspartei) Umfeld, dass sich deliberative Strategien auf hohem Niveau nicht nur auch auf der Ebene gesellschaftlicher Protestbewegungen beobachten lassen, sondern darüber hinaus die Umsetzung bürgerschaftlichen Engagements und gesellschaftlichen Protestes unter Umständen erleichtern. Auf der Basis von Mitschnitten mehrerer Sitzungen arbeitet der Autor mithilfe diskursanalytischer Methoden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der genannten Gruppen heraus und analysiert diese vor dem Hintergrund einer genaueren Betrachtung der jeweiligen Motive und Lebenswelten der Teilnehmer. Dabei zeigt sich, dass trotz der Unterschiede mit Blick auf Bildungsstand, direkte Betroffenheit und soziales Umfeld alle drei untersuchten Gruppen eine ähnlich geringe Vermachtung der Diskussionsstruktur erkennen lassen (und im Gegenteil existierende, zum Beispiel geschlechtsbezogene Statusunterschiede im Rahmen der Diskussionskultur teilweise aufgehoben werden). Yang leistet mit seiner Studie einen wichtigen demokratietheoretischen Beitrag. Zu fragen wäre allerdings, ob die Ergebnisse ähnlich in Kontexten ausfielen, in denen sowohl unmittelbare Betroffenheit der Teilnehmer (was hier nur für die gewerkschaftliche Kleingruppe zutrifft) als auch grundsätzlich unterschiedliche Ausgangsinteressen vorherrschen. Zu denken wäre hier beispielsweise an ein betriebliches Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Gremium aus einem klein- oder mittelständischen Unternehmen. Nichtsdestotrotz liefert Yang eine gut strukturierte und spannend zu lesende Studie, deren offene Fragen als Anreiz für weitergehende empirische Untersuchungen dienen sollten.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.2 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Mundo Yang: Deliberative Politik von unten. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35586-deliberative-politik-von-unten_42941, veröffentlicht am 03.01.2013.
Buch-Nr.: 42941
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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