/ 22.06.2013
Gerd Roellecke
Das Paradox der Verfassungsauslegung
Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2012 (Schönburger Schriften zu Recht und Staat 2); 127 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-506-77611-2Die Aufsatzsammlung des im vergangenen Jahr verstorbenen Gerd Roellecke erinnert noch einmal an den durch seinen Tod erlittenen Verlust. In dem für ihn typischen, gleichermaßen systemtheoretisch fundierten wie historisch informierten Zugriff nähert sich der Autor in den – bis auf eine knappe Einleitung – sämtlich bereits andernorts veröffentlichten Texten dem Problem der Verfassungsinterpretation. Als Paradox kann diese deshalb gelten, weil sie den Letztgeltungsanspruch des Verfassungsrechts und dessen Funktion, Recht und Politik zu verkoppeln, in Zweifel zieht. Auch wenn dieses Paradox nicht völlig aufgehoben werden kann, lassen sich die damit verbundenen Spannungen doch reduzieren. Roellecke präferiert dabei eine funktionsbezogene Analyse der Verfassungsnormen. Dieser übergreifende Gedanke wird in den einzelnen Texten am Beispiel der Glaubensfreiheit, der Unterscheidung von Unrechts-, Nichtrechts- und Rechtsstaaten, des Eigentumsschutzes sowie allgemein der Grundrechtsauslegung eindrücklich exemplifiziert. Auch wenn damit keine wirklich geschlossene und umfassende Darstellung vorliegt, verdeutlichen die Untersuchungen doch das zugrunde liegende Problem und die Plausibilität funktionaler Auslegung.
Steffen Augsberg (AU)
Prof. Dr., Professur Öffentliches Recht, Justus-Liebig-Universität Gießen.
Rubrizierung: 5.41
Empfohlene Zitierweise: Steffen Augsberg, Rezension zu: Gerd Roellecke: Das Paradox der Verfassungsauslegung Paderborn u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35503-das-paradox-der-verfassungsauslegung_42823, veröffentlicht am 08.11.2012.
Buch-Nr.: 42823
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Prof. Dr., Professur Öffentliches Recht, Justus-Liebig-Universität Gießen.
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