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/ 19.12.2013
Dieter Klein

Das Morgen tanzt im Heute. Transformation im Kapitalismus und über ihn hinaus

Hamburg: VSA 2013 (Rosa Luxemburg Stiftung); 214 S.; 16,80 €; ISBN 978-3-89965-568-1
Angesichts der „Parallelität und Wechselwirkung von ökologischer Krise und Finanzkrise“ fordert Dieter Klein eine „Neujustierung, um die Umwelt zu bewahren, die Armut zu überwinden und Lebenssicherheit zu gewährleisten“ (10). Die derzeitigen bürgerlich‑kapitalistischen Gesellschaften sieht er dazu nicht ohne Weiteres in der Lage, denn die Lösung liege in einer „Großen Transformation“ – analog formuliert zu Polanys „The Great Transformation“ von 1944. Kleins Ziel, das er mit dem einer „radikale[n] Realpolitik der Linken in Europa“ (15) gleichsetzt, ist ein „demokratischer grüner Sozialismus“ (17). Den Beginn des Übergangs sieht der Autor in einer kleinen, innerkapitalistischen Wende zu mehr sozialer Regulierung und ökologischem Bewusstsein, weshalb er insgesamt von einem Konzept der doppelten Transformation spricht. Klein versteht Transformation als Aufgabe, als beeinflussbaren realen Prozess, und beschreibt und bewertet dahingehend fünf zukünftige Entwicklungswege. Ein Problem im Transformationsprozess sieht er in der fehlenden gemeinsamen Gesellschaftsprojektion der deutschen und der europäischen Linken. Bereitschaft zur Kooperation und Kommunikation sowie eine Stärkung der Kompetenzen auf verschiedenen Politikfeldern seien aber Voraussetzungen für ein gemeinsames Vorgehen und damit für ein erfolgreiches Anstoßen der doppelten Transformation. Klein benennt vier Eckpunkte eines gesellschaftlichen Gesamtprojekts der Linken: gerechte Umverteilung, sozial‑ökologischer Umbau, demokratische Umgestaltung und eine umfassende Friedenspolitik. Für diese Eckpunkte entwickelt er konkrete Einstiegsprojekte als möglichen „Beginn wesentlicher Veränderungsprozesse […], wenn sie für diese Kräfte in absehbaren Zeiträumen positive Veränderungen versprechen, wenn sie also machbar sind und deshalb mobilisierend wirken“ (197). So schlägt er unter anderem die „Einführung von Sozialtarifen für einkommensschwache Haushalte bei der Gestaltung der Strompreise“ vor, die „Pflicht zur Bildung von Betriebsräten in Betrieben ab 50 MitarbeiterInnen“ oder die „Einführung einer ‚Dritten Stimme‘ bei Wahlen, die über Schwerpunkte der finanziellen Unterstützung von Strukturen der Zivilgesellschaft entscheidet“ (198 f.). Zudem ermuntert er die Linke zu einer offeneren politischen Kultur frei von Dogmen, da die Erneuerung der Gesellschaft alle Bereiche umfassen müsse.
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.22.22 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Dieter Klein: Das Morgen tanzt im Heute. Hamburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36531-das-morgen-tanzt-im-heute_44608, veröffentlicht am 19.12.2013. Buch-Nr.: 44608 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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