/ 22.06.2013
Hans-Peter Dürr
Das Lebende lebendiger werden lassen. Wie uns neues Denken aus der Krise führt. Hrsg. von Manuel Schneider
München: oekom verlag 2011; 165 S.; 17,95 €; ISBN 978-3-86581-269-8Inspiriert von den Gesetzmäßigkeiten der Quantentheorie reflektiert Dürr, Träger des Alternativen Nobelpreises, über die zentralen Herausforderungen der Zukunft. Die Quantenphysik dient ihm als immer wiederkehrendes Raster. Sie hat der klassischen Physik nach Auffassung des Autors voraus, dass sie sich nicht an der Realität der Gegenstände, sondern an der Logik der Natur orientiert. So verhielten sich Teilchen physikalisch betrachtet wie Wellen und Wellen wie Teilchen. In der diesem Vergleich inhärenten Unschärfe sieht der Autor einen Verweis auf den Ursprung alles Lebendigen, den universellen Code. In einem „Wörterbuch des Wandels“ (53) lässt Dürr dann seine Gedanken zu zentralen Begriffen wie Energie, Frieden, Nachhaltigkeit und Poesie fließen, die auf die grundlegenden Fragen unserer Zeit deuten. Er vertritt die These, dass unsere bewusste Erfahrung durch eine analytisch naturwissenschaftliche Betrachtung, unterstützt durch ein begriffliches Denken, dominiert wird und kritisiert diese Einseitigkeit. Im Kapitel „Poesie“ verweist er auf die verschiedenen Möglichkeiten menschlicher Erfahrung. So sei die von der Wissenschaft geforderte Exaktheit und Schärfe nur durch die Isolation des herausgegriffenen Sachverhaltes zu erreichen. Der Autor sieht die Gefahr, dass mit der Herauslösung eines Sachverhalts aus seinem Kontext zunehmend Möglichkeiten zu seiner Bewertbarkeit und damit seiner wissenschaftlichen Relevanz verloren gehen. Eine poetische Betrachtungsweise sei zwar von ihrer Natur aus allgemeiner, dennoch knüpfe sie an die tiefergehenden Erfahrungsschichten an, die wir als Ahnung bezeichneten. Da es sich bei der für uns erfahrbaren Wirklichkeit aber um ein äußerst komplexes System handelt, plädiert der Autor für eine an den Mustern der Poesie orientierte Wahrnehmung und Sprache. Nur so könnten wir der verschiedenen Teile unserer Wirklichkeit und ihrer wechselseitigen Relevanz gewahr werden und den „tieferen Sinn in unserem eigenen Leben“ (105) entdecken.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.2
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Hans-Peter Dürr: Das Lebende lebendiger werden lassen. München: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34261-das-lebende-lebendiger-werden-lassen_41119, veröffentlicht am 08.12.2011.
Buch-Nr.: 41119
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