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/ 17.06.2013
Gerd Langguth

Das Innenleben der Macht. Krise und Zukunft der CDU

München: Ullstein 2001; 328 S.; geb., 20,95 €; ISBN 3-550-07169-8
Langguth versucht die Entwicklungsperspektiven der Union nach der Wahlniederlage bei der Bundestagswahl 1998 und dem Spendenskandal auszuleuchten. Seine Ausführungen sind jedoch keinesfalls ausschließlich auf die CDU beschränkt, sondern haben mit Aussagen zu den Bedingungen von Machterhaltung und Machtausübung in Deutschland oder zur Zukunft der Volksparteien auch allgemeine Relevanz für die deutsche Parteienlandschaft. Langguth lehnt das heraufbeschworene Szenario einer Italienisierung der Union - eines Absinkens in die politische Bedeutungslosigkeit wie es ihre Schwesterpartei in Italien erlebte - ab. Umgekehrt sieht er gleichwohl erhebliche Gefährdungen der Substanz der Union; nicht zuletzt in dem ambivalenten Verhältnis zur Identitätsfigur Helmut Kohl, die durch die Spendenaffäre unzweifelhaft beschädigt und mit negativen Assoziationen aufgeladen wurde. Langguth, der in diversen Funktionen für die CDU und die Adenauer-Stiftung tätig war, zählt sich dabei selbst "zu denjenigen Personen, die sich einer besonderen Unterstützung durch diesen Mann [Kohl] erfreuen konnten" (26). Gleichwohl geht es dem "Insider" um den Versuch, "langjährige praktische Erfahrungen in der Politik mit solider politikwissenschaftlicher Analyse zu verbinden" (27). Nacheinander werden das System Kohl, die Wahlniederlage 1998 und der Spendenskandal analysiert. Insofern ist das Buch eine detaillierte und gutinformierte Erzählung der Kohl-Jahre und der Monate, in denen sich der Spendenskandal ausweitete. Zunächst stellte sich das Verhältnis Kohl-Schäuble als Austragungsort der Weichenstellung um die Zukunft der Union dar. Nach der Zerrüttung dieser Beziehung und dem Rücktritt Schäubles, veränderte sich das personelle Potenzial der Union nachhaltig und wurde durch drei Figuren bestimmt: die "Sphinx" (223) Angela Merkel, die "Leitfigur" (240) Friedrich Merz und den "Joker" (247) Edmund Stoiber. Alle drei bringen nach Langguth unterschiedliche Stärken und Schwächen in den zu erreichenden Balanceakt zwischen Modernisierung und Bewahrung der inhaltlichen und strategischen Leitlinien der Union ein. Dabei attestiert er zunächst: "Es ist der neuen Parteiführung trotz zahlreicher Reden und Programme nicht gelungen, der breiteren Bevölkerung klipp und klar zu erklären, wofür die CDU steht, welche positiven Ziele sie vertritt." (271) Der Wegfall des Antikommunismus und die noch unklaren Deutungen einer zeitgemäßen Umsetzung des Prinzips christlicher Demokratie machten unter anderem die Schwierigkeiten dieser Aufgabe aus. Langguth rät zu konzeptioneller Konzentration, zur Ausbildung von Schwerpunkt/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 und zu einer breiten Integration von mehreren Führungspersönlichkeiten in die Außendarstellung der Partei.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.331 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Gerd Langguth: Das Innenleben der Macht. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15866-das-innenleben-der-macht_18119, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18119 Rezension drucken
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