/ 03.06.2013
Heinz Bude
Das Altern einer Generation. Die Jahrgänge 1938 bis 1948
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997; 376 S.; 19,80 DM; ISBN 3-518-39207-7Von welchen Einsichten, Überzeugungen und Lebensmodellen lassen sich die Achtundsechziger heute als Fünfzigjährige leiten? (2) Wie sehen einige gezielt ausgewählte Vertreter der Jahrgangsgruppe 1938 bis 1948 heute ihre Vergangenheit, und wie beurteilen sie ihre Zukunft? (37)
Als Hintergrund erläutert Bude u. a. auf ca. 80 Seiten die Entwicklung dieser Generation und schildert einleuchtend und informativ die Entstehungsbedingungen der Studentenbewegung. Einzig störend ist hier, wo auch auf soziale Bewegungen im allgemeinen abgehoben wird, der Mangel an aktueller Literatur.
Den Hauptteil seiner Analyse bilden auf über 200 Seiten Portraits von Achtundsechzigern, "für die der kritische Ton einst die Voraussetzung für den sozialen Aufstieg war und die nunmehr als Repräsentanten der kulturellen Mehrheit gelten können. [...] Das normale Schicksal dieser 'mittleren Aktivisten' interessierte" den Autor (37). Von insgesamt 21 durchgeführten nichtstandardisierten Interviews ("Porträt[s, die ...] zur Gruppe der soziologischen Erzählungen gerechnet werden [...]" (14), legt Bude sechs zugrunde, wobei weder die Auswahl der 21 noch der sechs näher erläutert wird. Weiterhin "ist unklar, was ein richtiger Achtundsechziger ist" (38).
Der Autor, der sich offensichtlich als "Porträtmaler" der "soziologischen Kunst" (7) versteht, beantwortet umfassend die zweite o. g. Forschungsfrage. Aber insbesondere aufgrund der fehlenden Begründung für die Interviewpartner-Auswahl, der Eingrenzung seiner Untersuchung auf "mittlere Aktivisten" und der mangelnden Definition dessen, was Achtundsechziger sind, bleibt die erstgenannte Frage letztendlich im Raume stehen.
Inhalt: Die Methode des Porträtisten. 1. Der Hintergrund: 1. "Die große Nacht im Eimer"; 2. Das Entstehen einer Generation; 3. Was war 1968?; 4. Eine Physiognomie der Bewegung; 4. Das Gefühl der Lebensmitte. 2. Die Porträts: 1. Die lebenslange Fixierung. Peter Beckmanns allzu großer Ödipus; 2. Der Weg nach Hause. Klaus Bregenz und die Kritische Theorie; 3. Die Suche nach dem Unmöglichen. Paul Arnheim und die Bücher; 4. Das Scheitern eines Flüchtlingskinds. Katharina von Gransow und der Glaube ans Höhere; 5. Wunderbare Wandlungen. Adelheit Guttmann und das esoterische Gefühl; 6. Die Prophetin des Untergangs. Camilla Blisse und das stolze Beharren. 3. Die Betrachter: 1. Was zu sehen ist; 2. Wie gesehen wird.
Petra Beckmann-Schulz (Bm)
Dr., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.331 | 2.37 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Petra Beckmann-Schulz, Rezension zu: Heinz Bude: Das Altern einer Generation. Frankfurt a. M.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3214-das-altern-einer-generation_4217, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4217
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Dr., Politikwissenschaftlerin.
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