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/ 22.06.2013
Siegfried Frech / Ingo Juchler (Hrsg.)

Bürger auf Abwegen? Politikdistanz und Politische Bildung. Siegfried Schiele für seine Verdienste um die Didaktik politischer Bildung

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2011 (Didaktische Reihe); 334 S.; EUR 19,80 €; ISBN 978-3-89974656-3
Die deutsche Demokratie befinde sich in einem beunruhigenden Zustand, schreiben die Herausgeber. Sinkende Wahlbeteiligungen und der Mitgliederschwund in den politischen Parteien seien Ausdruck einer zunehmenden Distanz zwischen Bürgern und Politik. Zudem sei es der Bundesrepublik Deutschland nicht gelungen, drei gesellschaftliche Gruppen zu integrieren: Zuwanderer nichtdeutscher Herkunft, große Teile der ostdeutschen Bevölkerung sowie die „sogenannte neue soziale Unterschicht in Ost und West“ (5). Dieses vielschichtige Phänomen der Politikdistanz wird in mehreren Beiträgen des Bandes näher beleuchtet. Oskar Niedermayer diagnostiziert das Ende des „goldende[n] Zeitalter[s] der Mitgliederparteien“ (46), Otmar Jung zeigt auf, dass direkte Demokratie keine Lösung für eine höhere Wahlbeteiligung ist und Nikolaus Blome räumt mit unfairen Vorurteilen gegenüber Politikern auf. Seiner Ansicht nach sei umgekehrt nicht zu verstehen, „warum Politikverdrossene und Wahlmüde keinerlei Kritik fürchten müssen“ (104). Im Mittelpunkt der weiteren Beiträge stehen die mit der Politikdistanz verbundenen Herausforderungen für die politische Bildung. Sie habe „ihren einstmals breitenwirksam gedachten Bildungsauftrag nie realisiert“, da zu der klassischen Zielgruppe in der Regel politisch Interessierte gehören. Unterstellt man den mehrfach nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Demokratieakzeptanz, so müsse die politische Bildung „neue und andere Wege der Ansprache von politik- und bildungsfernen Gruppen suchen“ (19). Ein Weg wird in der vielfach geforderten Elementarisierung der politischen Bildung gesehen, deren Chancen und Grenzen werden in mehreren Beiträgen sowohl in grundsätzlicher Hinsicht als auch anhand von konkreten Beispielen aufgezeigt. Ein weiteres Themenfeld ist die Rolle der Medien für die politische Bildung. Mit der Frage, was genau unter Politikverdrossenheit zu verstehen und wie sie einzuschätzen ist, setzt sich Peter Massing auseinander. Er warnt davor, „politische Bildung über Verfallsdiagnosen unserer Gesellschaft begründen zu wollen“ (143) und lediglich in ihrer „Feuerwehrfunktion“ zu bemühen. Eine offene Gesellschaft und ihre demokratische Ordnung erfordern per se politische Bildung. Zu ihrer Begründung reiche es aus zu wissen, so Massing, „dass demokratische Bürgerinnen und Bürger nicht vom Himmel fallen und auch nicht geboren werden“ (144).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.352.331 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Siegfried Frech / Ingo Juchler (Hrsg.): Bürger auf Abwegen? Schwalbach/Ts.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33754-buerger-auf-abwegen_40432, veröffentlicht am 22.09.2011. Buch-Nr.: 40432 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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