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/ 22.06.2013
Carl Peter Kleidat

Bedingungen der Akzeptanz von Reform

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 382 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-18072-4
Soziolog. Diss. Bielefeld; Gutachterin: V. Tacke, Gutachter: K. Dammann. – Kleidat beschäftigt sich aus organisationssoziologischer Perspektive mit der Frage, wie Reformen von Organisationen Zustimmung finden – und warum organisatorische Reformen überhaupt so oft ausprobiert werden, obwohl sie meist scheitern. Damit grenzt er seine Studie klar vom praxisorientierten Mainstream ab, der Reformen als Handlungskonzept unreflektiert hinnimmt und lediglich die jeweiligen Erfolge misst oder Verbesserungsvorschläge unterbreitet. Kleidat knüpft an Arbeiten des Skandinaviers Brunsson an, der den Glauben an die Sinnhaftigkeit von Organisationsreformen erforscht. Tatsächlich gelingt es dem Autor, den wissenschaftlichen Blick auf Reformen zu erweitern. Im theoretischen Teil schafft er auf Basis der Bielefelder Schule der soziologischen Systemtheorie die Grundlagen. Er erstellt dabei Hypothesen zu Bedingungen, die die Akzeptanz von Reformen steigern. Zu diesen Bedingungen zählt er etwa das kollektive Vergessen früherer Misserfolge oder dass sich die Reformer von vornherein auf das Machbare beschränken. Den Reformbegriff bestimmt er als Schema, das „Entscheidungen bezeichnet, die sich auf die Absicht einer Verbesserung des organisationalen Gesamtzustands durch gesteuerte Strukturänderungen beziehen“ (351). Seine Hypothesen überprüft er im Rahmen einer Fallstudie zu einer Stadt in Nordrhein-Westfalen, die wie alle Kommunen 2005 verpflichtet wurde, das „Neue Kommunale Finanzmanagement NKF“ einzuführen. So schwierig bisweilen die theoretischen Ausführungen zu lesen sind, so gekonnt analysiert Kleidat den konkreten Reformfall. Er bedient sich hierbei der teilnehmenden Beobachtung, sichtet Unterlagen und führt Interviews. Kleidats Fazit: „Organisationen können Reformen deshalb akzeptieren, weil sie nicht sich selbst, sondern ihre Reformen reformieren“ (355). Für Reformverantwortliche in Verwaltung oder Unternehmen lohnt die Lektüre des theoretischen wie des empirischen Teils gleichermaßen. So wichtig es ist zu verstehen, wie man den Erfolg einer Reform misst und plant, so sinnvoll ist es, den Umgang von Organisationen mit Reformen zu reflektieren.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.3252.2 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Carl Peter Kleidat: Bedingungen der Akzeptanz von Reform Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34001-bedingungen-der-akzeptanz-von-reform_40754, veröffentlicht am 01.09.2011. Buch-Nr.: 40754 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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