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/ 04.06.2013
Wolfgang Schroeder / Burkard Ruppert

Austritte aus Arbeitgeberverbänden: Eine Gefahr für das deutsche Modell? Betriebsaustritte aus regionalen Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie (1990 - 1995)

Marburg: Schüren 1996 (Standortdebatte); 138 S.; pb., 24,- DM; ISBN 3-89472-191-X
Welches sind die Ursachen, die Unternehmen bewegen, aus Arbeitgeberverbänden auszutreten? Um die gängige These zu widerlegen, ein Austritt sei allein auf ökonomische Gründe zurückzuführen, werden andere mögliche Einflußfaktoren untersucht. Grundlage der Analyse bilden 161 erfaßte Betriebe, die in den Jahren zwischen 1990 und 1995 aus vier regional unterschiedlichen Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie ausgetreten sind. 47 Verwaltungsstellen der Industriegewerkschaft Metall wurden über die Struktur dieser Betriebe befragt. Die Autoren gehen von der Annahme aus, daß es "einen Zusammenhang zwischen Austrittsoptionen und regionalen sowie verbandlichen Besonderheiten gibt" (10). Im ersten Teil werden Bedingungen und Motive der Austritte anhand folgender Kriterien beleuchtet: Betriebsgröße, Branchenzugehörigkeit, Wahrnehmung der Geschäfts- und Beschäftigtenentwicklung, Exportorientierung, Art des Unternehmens (Eigentümer- oder Managerunternehmen, Zulieferer- oder Endbetrieb, Einzel- oder Zweigunternehmen, Einfluß ausländischen Kapitals), Austrittsmotive, Unternehmensveränderungen zum Zeitpunkt des Austritts (Managementwechsel, Veränderung der Rechtsform, Jahr des Austritts), gewerkschaftlicher Organisationsgrad im Unternehmen, gewerkschaftliche Reaktionen (Bereitschaft zum und Erfolg beim Abschluß eines Anerkennungs- oder Haustarifvertrags). Der zweite Teil beleuchtet regionale Besonderheiten. Nach kurzem Eingehen auf den bundesweiten Organisationsgrad von Unternehmen und Beschäftigten werden regionale Unterschiede der Austrittshäufigkeit und des Rückgangs der Mitgliedsbeschäftigten beleuchtet, um Aussagen über die Geltungskraft des Flächentarifvertrags machen zu können. Die Darstellung der Ergebnisse der Austrittsstudien erfolgt entlang der regionalen Arbeitgeberverbände. Die Autoren kommen in der auf vierzig Seiten komprimierten Untersuchung zu dem Ergebnis, daß ursächlich "für den Austritt von Betrieben aus dem Arbeitgeberverband nicht einfach wirtschaftliche Krisensituationen und daraus resultierende Interessenlagen (sind). Die ökonomische Interessenlage ist in der Regel ein zentraler Punkt in einem umfassenderen Bündel von Bedingungen und Motiven. Von großer Bedeutung ist die Unzufriedenheit mit der Tarifpolitik, deren Ursachen wiederum nicht nur ökonomischer Natur sind" (41).
Martina Böhner (Bö)
Dr.
Rubrizierung: 2.331 Empfohlene Zitierweise: Martina Böhner, Rezension zu: Wolfgang Schroeder / Burkard Ruppert: Austritte aus Arbeitgeberverbänden: Eine Gefahr für das deutsche Modell? Marburg: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3427-austritte-aus-arbeitgeberverbaenden-eine-gefahr-fuer-das-deutsche-modell_4514, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 4514 Rezension drucken
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