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/ 17.06.2013
Michael Jeismann

Auf Wiedersehen Gestern. Die deutsche Vergangenheit und die Politik von morgen

Stuttgart/München: Deutsche Verlags-Anstalt 2001; 214 S.; 18,90 €; ISBN 3-421-05495-9
"Was hat [...] die Vergangenheit des NS-Völkermords mit den Konflikten der Gegenwart zu tun?" (8) Auf diese Frage als Ausgangspunkt seiner Studie spitzt der Autor in der Einleitung die von ihm behandelte Thematik eines gegenwärtig sich vollziehenden Wandels im deutschen Geschichtsbewusstsein zu. Seine Untersuchung setzt sich mit den seit 1989 in Deutschland zu beobachtenden Tendenzen historischer Selbstvergewisserung und Identitätsbestimmung auseinander, die sich vor dem Hintergrund des wieder vereinigten deutschen Staates und der konfliktreichen "Neuordnung der Welt" nach dem Ende des "Kalten Krieges" abzeichnen. Dabei wirft der Autor einen Blick zurück auf die Bedeutung und Bewertung, die dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen, insbesondere dem Holocaust, im politischen Diskurs und im politischen Handeln in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten zukam. Von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die späten Achtzigerjahre hinein habe diese Geschichtsphase den Status einer schmerzvollen, unangenehmen, umstrittenen und unbewältigten Erinnerung behalten. Erst im letzten Jahrzehnt "fand ein fundamentaler Wandel von der Kriegserinnerung zum kulturellen Gedächtnis statt" (9). Die Formen und widersprüchlichen Erscheinungen dieses Wandels stellt der Autor vor und leitet aus Beispielen die hauptsächlichen Fragen und Probleme ab, die damit auf der Tagesordnung aktueller und künftiger Politik in Deutschland (und Europa) stehen: die Integration der Staaten des ehemaligen "Ostblocks" in die Europäische Union und insbesondere die Bewältigung der "Einheitsfolgen" in der deutschen Gesellschaft, die Zunahme eines militanten Rechtsextremismus, schließlich die Rechtfertigung militärischer Intervention in Krisengebieten mit völkerrechtlichen Argumenten, vor allem dem der Prävention von Völkermord.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.352.3 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Michael Jeismann: Auf Wiedersehen Gestern. Stuttgart/München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15569-auf-wiedersehen-gestern_17748, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17748 Rezension drucken
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