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/ 11.09.2014
Christoph Kopke (Hrsg.)

Angriffe auf die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen. Rechtsextremismus in Brandenburg und die Gedenkstätte Sachsenhausen. Hrsg. im Auftrag des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Berlin: Metropol 2014 (Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten 11); 192 S.; 19,- €; ISBN 978-3-86331-189-6
Der Brandanschlag auf die Baracke 38, die „Jüdische Baracke“, in der Gedenkstätte Sachsenhausen im September 1992 war nicht nur ein Angriff auf die Erinnerung, wie der Band titelt. Er war vielmehr auch die Fortsetzung einer Welle rechtsextremer Straftaten. Der Sammelband geht deshalb unter anderem der Frage nach, welche Faktoren – vor allem in Brandenburg – zu dieser Welle führten. Mit Blick auf die Gewaltexzesse in Hoyerswerda, Rostock und Cottbus benennt Heike Kleffner in ihrem Beitrag Staatsversagen, die politischen Kampagnen sowie den medialen und gesellschaftlichen Diskurs der Zeit. Von dieser Analyse ausgehend diskutiert sie mit Blick auf aktuelle rechtsextremistische Straftaten in Brandenburg, wie erneute Gewaltexzesse verhindert werden könnten. Dazu kommt Christoph Kopke in seinem Beitrag zu dem Ergebnis, dass auch Vereinsverbote ein probates Mittel sein können, um die Anzahl rechtsextrem motivierter Straftaten zu senken und „Handlungsspielräume und das Hegemoniestreben der extremen Rechten vor Ort“ (132) zu begrenzen, ohne dabei die NPD zu stärken – eine Schlussfolgerung, die in Anbetracht der aktuellen Debatte um die Wirksamkeit von Vereinsverboten überrascht. Eine weiterführende Darstellung aktueller Ereignisse wäre insgesamt wünschenswert gewesen, aber der zeitliche Schwerpunkt des Bandes liegt auf den 1990er‑Jahren. Mit dem Band werden die Ergebnisse der Tagung „Rechtsextremismus in Brandenburg“ vom Oktober 2012 publiziert. Das Bundesland Brandenburg bildet daher den Ausgangspunkt aller Beiträge, da sich vieles jedoch nur mit einem gesamtdeutschen Blick erklären lässt, wird dieser auch immer wieder eingenommen. Die große Stärke liegt darin, dass es gelingt, Perspektiven der Wissenschaft, von Bildenden und Multiplikatoren, aber auch aus Zivilgesellschaft und Politik zu vereinen und einen vielseitigen und umfassenden Blick auf rechtsextreme Gewalttaten und Argumentationsstrategien zu bieten. Gleichzeitig werden Möglichkeiten aufgezeigt, dem Rechtsextremismus zu begegnen, sei es durch eine Gedenkstättenarbeit oder die Auseinandersetzung im Unterricht der Schule.
Ronny Noak (RNO)
B.A., Politikwissenschaftler, Student, Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Rubrizierung: 2.372.352.325 Empfohlene Zitierweise: Ronny Noak, Rezension zu: Christoph Kopke (Hrsg.): Angriffe auf die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen. Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37528-angriffe-auf-die-erinnerung-an-die-nationalsozialistischen-verbrechen_46053, veröffentlicht am 11.09.2014. Buch-Nr.: 46053 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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