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/ 21.06.2013
Timo Frasch

Zwischen Selbstinszenierung und Rezeption. Carl Schmitts Ort in der Bundesrepublik Deutschland

Bonn: Bouvier Verlag 2006 (Forum junge Politikwissenschaft 2); 155 S.; kart., 15,90 €; ISBN 978-3-416-03117-2
Politikwiss. Magisterarbeit Bonn; Gutachter: T. Mayer. – Mit der „Rückkehr der Religionen“ hat auch Carl Schmitt einen weiteren Rezeptionsschub erhalten. Frasch folgt der These von Heinrich Meier, wonach die politische Theologie zentraler Punkt in Schmitts politischem Werk sei. Besonders analysiert werden die zwischen 1945 und 1970 entstandenen Arbeiten, zunächst die „Bekenntnisschriften“ (Ex Captivitate Salus und das Glossarium), um sich durch die Strategien der Selbstinszenierung nicht den nüchternen Blick versperren zu lassen. Denn Frasch hält die weit verbreitete Polarisierung zwischen Faszination und Dämonisierung „einer angemessenen Schmitt-Rezeption eher [für] abträglich“ (12). Es ergibt sich: Schmitts politische Theologie „ist sowohl Analyseinstrument als auch polemische Doktrin“ (113). Im Gegensatz zu Meier betont Frasch aber, dass der Begriff des Glaubens bei Schmitt nicht nur im christlich/(krypto-)katholischen Sinne, sondern vor allem in dem eines säkularisierten Derivats – als das Unbedingte der politischen Einheit von „Freund und Feind“ – zu erfassen sei. So lässt sich auch der ätzende Antisemitismus in das Werk besser einordnen: „Prototypischer Feind der Feindschaft ist für Schmitt ‚der Jude’ [...] als Verkörperung des liberalen, neutralisierenden Geistes der Moderne.“ (114) Frasch spürt im weiteren Verlauf der Wirkmächtigkeit Schmitts in der Bundesrepublik nach, dem es tatsächlich gelungen sei, „Klassiker des politischen Denkens“ zu werden. Mit der Analyse der liberalen Rezeption bei Hermann Lübbe plädiert er schließlich für einen eklektischen Umgang mit Schmitt, soweit sich hierdurch die „Gefahren der politischen Neutralität, der idealistischen Selbsttäuschung, des Universalismus und des politischen Moralismus“ (115) beschreiben ließen. Gerade in diesem Kontext wäre ein Bezug zum Konzept der „politischen Religionen“ von Eric Voegelin noch aufschlussreich gewesen.
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 5.462.3 Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Timo Frasch: Zwischen Selbstinszenierung und Rezeption. Bonn: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27222-zwischen-selbstinszenierung-und-rezeption_31828, veröffentlicht am 03.04.2008. Buch-Nr.: 31828 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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