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/ 22.06.2013
Timo Freudenberger

Zum Umgang mit Angst und Vertrauen in der Politik

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011; XIII, 213 S.; 39,80 €; ISBN 978-3-631-63069-3
Diss. Hannover; Begutachtung: J. Perels, R. Wernstedt. – Um das strittige Verhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit besser fassen zu können, erweitert Freudenberger die Grundlage der Debatte um die affektive Dimension von Angst und Vertrauen. In der Untersuchung, wie diese strukturell ambivalenten Begriffspaare zusammenhängen, bezieht sich Freudenberger zunächst auf eine knappe Begriffsgeschichte von Angst und Vertrauen. Dabei stellt er heraus, dass deren spannungsreiches Verhältnis generell unentschieden ist und in verschiedenen Kontexten zu anderen Wirkungen führen kann. Verstanden als „Management-Tool[s]“ (47) ergibt sich aus deren Einsatz eine Gestaltungskraft für das politische System. Um diesem vermuteten Potenzial für den demokratischen Rechtsstaat nachzuspüren, widmet sich Freudenberger dessen Grundpfeilern – Sicherheit, Freiheit, Recht. In dem Politikfeld der inneren Sicherheit stellt er schließlich ein ausgeprägtes Dilemma zwischen der Wahrung von Freiheit und der Gewährleistung von Sicherheit fest, das es ihm erlaubt, seine Thesen näher zu prüfen. Dabei bezieht er vor allem die „neue Sicherheitsarchitektur“ (95) mit ein, die sich aus den Bedrohungen des internationalen Terrorismus ergeben soll. Diese neue Bedrohungslage verbreite nicht nur diffuse Angst, sondern unterwandere auch Vertrauen und fordere so den demokratischen Rechtsstaat doppelt heraus. Die Untersuchung von Bundestagsdebatten, in denen die Neuverhandlung von Gesetzen der inneren Sicherheit nach den Anschlägen vom 11. September 2001 geführt wurde, zeigt den strategischen Einsatz von Angst (als Bedrohung) und Vertrauen auf, der die Debatte um die Vermittlung zwischen Freiheit und Sicherheit maßgeblich bestimmen soll. Darin wird deutlich, wie demokratische Rechtsstaatlichkeit diffuse Angst zu „begründbare[r] Furcht“ (181) transformieren kann, somit vor dem Hintergrund der rechtsstaatlichen Verfahren greifbar macht und vertrauensbildend wirkt. Insgesamt folgt Freudenberger damit einem klar strukturierten Argumentationsverlauf, dem es aber gut gestanden hätte, wenn sich der Autor unter Einbeziehung umfangreicherer Quellen differenzierter mit den eigenen Kategorien befasst hätte.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 2.22.3212.2634.21 Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Timo Freudenberger: Zum Umgang mit Angst und Vertrauen in der Politik Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35316-zum-umgang-mit-angst-und-vertrauen-in-der-politik_42536, veröffentlicht am 16.08.2012. Buch-Nr.: 42536 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA