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/ 18.06.2013
Friederike Sattler

Wirtschaftsordnung im Übergang. Politik, Organisation und Funktion der KPD/SED im Land Brandenburg bei der Etablierung der zentralen Planwirtschaft in der SBZ/DDR 1945-52

Münster/Hamburg/London: Lit 2002 (Diktatur und Widerstand 5); 1.036 S.; geb., 55,90 €; ISBN 3-8258-6321-2
Diss. Berlin; Gutachter: W. Fischer, H. Volkmann. - Waren die sowjetischen und ostdeutschen Politiker in der Lage, ein „den gegebenen Ausgangsbedingungen wie den eigenen Ansprüchen gemäßes Wirtschaftssystem zu etablieren" (846)? Die Autorin, deren Dissertation zum Forschungsprojekt „Die Parteiführung der SED und ihr zentraler Apparat" im Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin gehört, differenziert ihre Antwort: Sind die materiellen Interessen der Sowjetunion der Bewertungsmaßstab, müsse die Antwort positiv ausfallen, denn die SBZ/DDR habe große wirtschaftliche Transferleistungen erbracht. Aus Sicht der SED, die mit dem Wirtschaftssystem ihre Herrschaft habe konsolidieren wollen, sei die Entwicklung weniger positiv zu beurteilen: Institutionelle Weichenstellungen konnten nur mit politischer Repression durchgesetzt werden, wobei die KPD/SED-Landesorganisation Brandenburg in den ersten Nachkriegsjahren als politisches Hilfsorgan der Verwaltung, vor allem in personeller und organisatorischer Hinsicht, arbeitete. Die SED schuf darüber hinaus neben den staatlichen noch eigene Institutionen und nahm personalpolitisch maßgeblichen Einfluss auf andere, zum Beispiel auf Genossenschaften. Die Transformation der deutschen Kriegswirtschaft, die trotz zentraler Steuerungen durch das privatwirtschaftliche Interesse des Unternehmers geprägt gewesen war, in eine sozialistische Planwirtschaft konnte allerdings nicht nach sowjetischem Modell verlaufen: Als funktionierendes Ganzes habe es überhaupt nicht existiert, so die Autorin. Das Wirtschaftssystem der DDR sei in einer Reihe von Entscheidungen aufgrund von Zwangslagen und Ansprüchen der Sowjetunion etabliert worden. Aus dem Inhalt: II. Die Ausbildung planwirtschaftlicher Strukturen auf der Landesebene (1945-1947/48): 1. Agrarpolitik zwischen machtpolitischem Kalkül, Gestaltungsansprüchen und Versorgungsnöten. III. Der Übergang zur zentralen Planwirtschaft und die Aushöhlung des Föderalismus (1948-1952): 2. Handwerks-, Gewerbe- und Industriepolitik zwischen Zonenautarkie und Blockintegration. IV. Funktionen einer KPD/SED-Landesorganisation beim Übergang zur zentralen Planwirtschaft in der SBZ/DDR.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Friederike Sattler: Wirtschaftsordnung im Übergang. Münster/Hamburg/London: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19020-wirtschaftsordnung-im-uebergang_22082, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 22082 Rezension drucken
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