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/ 14.11.2013
Stephanie Frank

Wirtschaftskrise(n) 2007 bis 2010. Auswirkungen auf Österreich und politische Maßnahmen zur Gegensteuerung – mit einem Vergleich zur Weltwirtschaftskrise 1929

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2012 (Politik und Demokratie 29); 194 S.; geb., 34,95 €; ISBN 978-3-631-63050-1
Diplomarbeit Wien. – Die gegenwärtige Wirtschafts‑ und Finanzkrise, obschon durch die Privatwirtschaft ausgelöst, hat als multiple Krisenerscheinung massiv auf die Verfassung der westlichen Demokratien durchgeschlagen – und ist damit eben nicht nur eine private Krise, sondern eine öffentliche Angelegenheit ersten Ranges. Frank geht in ihrer Arbeit zwei zentralen Fragestellungen nach: „Wie wirkt sich die Krise 2007 bis 2010 auf Österreich aus und welche Maßnahmen zur Gegensteuerung der Krise wurden von der Politik gesetzt?“ Und weiter: „Wurden tiefgreifende Reformen des Wirtschaftssystems vorgenommen oder lediglich die Symptome der Krise bekämpft?“ (17) Damit wird deutlich: Der Autorin geht es einerseits um eine Rekonstruktion der Ereignisse, von denen sie wiederum annimmt, dass die – österreichische – Politik tatsächlich mit ihnen umgehen könne und solle. Und es geht ihr um eine Bewertung dieser Maßnahmen, die entweder das bestehende Wirtschaftssystem tatsächlich verändern oder aber nur kosmetische Qualität haben. Franks Datenmaterial besteht im Wesentlichen aus allgemein zugänglicher Primär‑ und Sekundärliteratur, also aus Dokumenten von Regierungsbehörden oder aus wissenschaftlichen Texten. Ihre Analyse dieser Materialien, der eine kurze und daher natürlich kaum erschöpfende ideengeschichtlich akzentuierte Rekonstruktion des zeitgenössischen Neoliberalismus der Chicago School vorangestellt ist, bringt Frank unter anderem zu dem Ergebnis, dass von einem nachhaltigen Krisenmanagement nicht die Rede sein kann. So haben zwar Möglichkeiten zur Demokratisierung des Wirtschaftssystems und auch Optionen zur Ausweitung internationaler Kontrollregimes bestanden – einzig umgesetzt worden sind diese Maßnahmen nicht. Damit ergibt sich für Frank eine interessante Parallele zur Weltwirtschaftskrise von 1929: Zwar haben damals wie heute die Wirtschaftssysteme versagt – viel gravierender ist aber das jeweilige Unvermögen der Wirtschaftspolitik, mit dem Versagen des Marktes produktiv umzugehen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.44.432.2623.14.1 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Stephanie Frank: Wirtschaftskrise(n) 2007 bis 2010. Frankfurt a. M. u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36400-wirtschaftskrisen-2007-bis-2010_44240, veröffentlicht am 14.11.2013. Buch-Nr.: 44240 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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