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/ 11.06.2013
Ursula Breymayer / Bernd Ulrich / Karin Wieland (Hrsg.)

Willensmenschen. Über deutsche Offiziere

Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 1999; 239 S.; 28,90 DM; ISBN 3-596-14438-8
"Als Typus ist der Offizier wesentlicher Bestandteil deutscher Kulturgeschichte. Es gehört zu den Besonderheiten der 'verspäteten Nation', daß sie im Offizier die Ausdrucksgestalt ihrer Modernität fand. Als Leitbild sozialer Wertschätzung wie als Ich-Ideal kollektiver Imagination hat sich der Offizier in die deutsche Seele eingegraben." Und weiter schreiben die Herausgeber: "Die Ästhetisierung von Haltung und Gesinnung hat den Offizier zu einem deutschen Gesamtkunstwerk gemacht. Nahezu zwei kriegerische Jahrhunderte lang waren deutsche Offiziere Täter und Opfer, Manager der Macht und Technokraten der Mobilisierung, Verwalter bellizistischer Gesinnung und eben nicht zuletzt Gegenstand von Kunst und Wissenschaft." (9) Der Sammelband ist allerdings weit davon entfernt, dieses "Gesamtkunstwerk" nachzuzeichnen oder bloß zu präsentieren. Die Autoren nähern sich aus unterschiedlichen Richtungen einem Mythos, der bis 1945, aber vor allem im wilhelminischen Kaiserreich höchste Konjunktur hatte und auch noch in die ersten Jahrzehnte der Bundeswehr hineinreichte. Die Annäherung geschieht nicht bilderstürmerisch, sondern behutsam, denn es geht nicht darum, ein Klischee zu entlarven, sondern die Menschen hinter der Fassade des Offiziers zu entdecken, zu ergründen, was denn den deutschen Offizier zu einem "Willensmenschen" macht oder zumindest die Einbildung aufrechterhält, er sei einer. Aus dem Inhalt: Bernd Ulrich: Der deutsche Offizier stirbt ... (11-20). I. Ursprünge - Orte der Herkunft, Varianten der Macht: Stig Förster: Der Krieg der Willensmenschen. Die deutsche Offizierselite auf den Weg in den Ersten Weltkrieg, 1871-1914 (23-36); Werner Bührer: Offiziere im "Wirtschaftswunderland" (37-49); Detlef Bald: Alte Kameraden. Offizierskader der Bundeswehr (50-64). II. Lebensläufe - Biographische Schattierungen und Schatten: Werner T. Angress: Der jüdische Offizier in der neueren deutschen Geschichte, 1813-1918 (67-78); Ursula Breymayer: "Mein Kampf": Das Phantom des Offiziers. Zur Autobiographie eines jüdischen Wilhelminers (79-93). III. Identitäten - Tugenden und Verbrechen: Thomas Flemming: "Willenspotentiale". Offizierstugenden als Gegenstand der Wehrmachtpsychologie (111-122); Michael Wildt: Ethos der Tat. Claus Schenk Graf von Stauffenberg (134-152). IV. Kulissen - Friktionen der Kunst: Walter Erhart: Laufbahnen. Die Fiktionen des Offiziers (155-172). V. Blößen - Körper und Tod.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.312.3242.35 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Ursula Breymayer / Bernd Ulrich / Karin Wieland (Hrsg.): Willensmenschen. Frankfurt a. M.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10792-willensmenschen_12761, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12761 Rezension drucken
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