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/ 12.06.2013
Hacı-Halil Uslucan / Dirk Halm (Hrsg.)

Wie steuerbar ist Integration?

Essen: Klartext 2011; 94 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-8375-0588-7
Die politischen Systeme moderner Gesellschaften stehen vor dem Problem, die Folgekosten der wachsenden Integrationsdefizite ihrer Subsysteme kompensieren zu müssen, ohne einen unmittelbaren Einfluss auf die Integration ausüben zu können. Nicht nur Arbeitslosigkeit, Zukunftsangst und rassistische Stereotype, sondern auch die zunehmende Pluralisierung von Lebenswelten stellen die gesamtgesellschaftliche Solidarität auf die Probe und die staatliche Integrationspolitik vor eine Herkulesaufgabe. Lässt sich Migration überhaupt steuern? Und wenn ja, wie? Diese Ausgangsfragen bildeten die thematische Klammer für die Tagung des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) und des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales Nordrhein-Westfalen, die anlässlich des 25-jährigen Bestehens des ZfTI im November 2010 in Essen abgehalten wurde und in Form dieses Bandes dokumentiert wird. Die Autoren und Autorinnen setzten sich zum Ziel, Forschungsergebnisse auf der Mikro-, Meso- und Makroebene, die meistens getrennt voneinander diskutiert werden, zu verknüpfen und zu konkreten Handlungsempfehlungen für die politische Praxis zu verdichten. Das Gros der Beiträge beschäftigt sich mit dem Thema Bildung. So fordert die Erziehungswissenschaftlerin Yasemin Karakaşoğlu, die sich kritisch mit dem Einfluss zentraler Institutionen des Erziehungs-, Bildungs- und Ausbildungssystems auf die Chancengleichheit ethnischer Minderheiten in Deutschland auseinandersetzt, u. a., „dass früh selektierende Schulstrukturen aufgebrochen werden“ (44), „dass Schulen sich zum Stadtteil öffnen müssen und [...] sich als regionale Bildungszentren mit einer Mischung aus Komm- und Gehstrukturen entwickeln“ (45). Die These von der Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund wird indes durch die Ergebnisse einer Sozialstrukturanalyse, die Frank Kalter in seinem Beitrag zusammenträgt, teilweise relativiert. Ausgehend von statistischen Daten zur relativen Chance des Übergangs auf ein Gymnasium von Kindern mit Migrationshintergrund und einer Faktorenanalyse zeigt er, dass es zwar „ethnische Restnachteile“ (54) gibt, der Bildungserfolg aber im Wesentlichen durch die soziale und nicht durch die ethnische Herkunft determiniert ist.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3432.35 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Hacı-Halil Uslucan / Dirk Halm (Hrsg.): Wie steuerbar ist Integration? Essen: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14510-wie-steuerbar-ist-integration_41762, veröffentlicht am 15.03.2012. Buch-Nr.: 41762 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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