/ 22.06.2013
Monika Elisabeth Radek
Weltkultur am Werk? Das globale Modell der Gesundheitspolitik und seine Rezeption im nationalen Reformdiskurs am Beispiel Polens
Bamberg: University of Bamberg Press 2011 (Schriften aus der Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg); XXV, 459 S.; 23,50 €; ISBN 978-3-86309-041-8Diss. Bamberg; Begutachtung: R. Münch, A. Woldan. – Der gegenwärtige Wandel der Wohlfahrtsstaaten ist stark von globalen Entwicklungen und Diskursen bestimmt. Vor diesem Hintergrund fragt die Autorin, wie sich solche externen Einflüsse auf nationalstaatliche Reformpolitiken insbesondere in den Ländern Mittel- und Osteuropas auswirken. Radek geht von einem Doppelcharakter des Wohlfahrtsstaates aus, der einerseits sozial konstruiert und andererseits durch die Herausbildung einer globalen Sozialpolitik geprägt ist. Beide Perspektiven – der Wohlfahrtsstaat als „lokale Konstruktion“ und als „Modell der Weltkultur“ (89) – werden zunächst diskurstheoretisch für den Bereich der Gesundheitspolitik aufgearbeitet. In diesem globalen gesundheitspolitischen Diskurs seien zwei Strategien erkennbar: Die anfangs deklarierte internationale Zielsetzung „Gesundheit für alle“ habe sich im Laufe der Zeit zu dem Paradigma „Alle für Gesundheit“ gewandelt. Während die erste Strategie „ihre Rechtfertigung in dem universalistischen Konzept der Menschenrechte sucht und auf eine Aufwertung von Individuum und der Gemeinschaft abzielt“ (184), stehe die zweite für einen „Rückzug des Staates aus der Gesundheitsverantwortung zugunsten eines Mehr an Eigenverantwortung der Individuen für ihre Gesundheit“ (185). Die Autorin wendet diese Erkenntnisse anschließend auf die Gesundheitspolitik in Polen seit 1991 an. Diese lasse sich in drei Phasen unterteilen. In einer ersten Phase wurde die Dezentralisierung des Gesundheitssystems angestrebt. Es folgte – unter Verweis auf Empfehlungen der WHO und auf Reformen in anderen Ländern – eine Phase der Rezentralisierung. Die dritte Phase besteht in einer Restrukturierung, die vor allem die Umwandlung von Gesundheitsbetrieben in Kapitalgesellschaften umfasst. Der Einfluss des globalen Diskurses auf den nationalen Reformkurs lasse sich seit 1991 ausmachen, schreibt Radek. Am differenziert und ausführlich untersuchten polnischen Fallbeispiel kann sie nachweisen, dass die „‚Drehbücher’ der Weltkultur […] im lokalen Kontext stets Gegenstand von Deutungskämpfen“ sind. Sie „erlangen eine höhere Deutungshoheit, wenn sie sich mit lokalen Deutungsmustern verflechten“ (399).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.263 | 4.43 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Monika Elisabeth Radek: Weltkultur am Werk? Bamberg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35449-weltkultur-am-werk_42731, veröffentlicht am 17.01.2013.
Buch-Nr.: 42731
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