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/ 05.06.2013
Hajo Dröll

Weiterbildung als Ware. Ein lokaler Weiterbildungsmarkt - das Beispiel Frankfurt/Main

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 1999 (Studien zu Politik und Wissenschaft); 551 S.; ISBN 3-87920-488-8
"Die These, daß der Bildungsmarkt auch ein Reparatursystem für die Versäumnisse des staatlichen Bildungswesens darstellt, kann nur geprüft werden anhand einer möglichst vollständigen Untersuchung der Angebote, die auf diesem Markt gehandelt werden. Und daß Kostendämpfung ein wesentlicher Stachel für die Privatisierung von Bildung ist, setzt Kenntnisse über das Finanzvolumen, die Finanzierung und die Zuordnung zu einzelnen Angeboten voraus." (51) Mit diesem Untersuchungsansatz kommt Dröll in seiner umfangreichen empirischen Studie über Struktur und Volumen des lokalen Bildungsmarkts in Frankfurt a. M. im Jahre 1994 zu handfesten Befunden: Die Privatisierung der Bildungsaufgaben ist weiter fortgeschritten als bisher öffentlich vermutet. Defizite staatlicher Bildung werden durch Private repariert, und daraus ergeben sich problematische Verhältnisse auf dem Bildungsmarkt. In der privat betriebenen Bildung wird das Lehrpersonal hauptsächlich unter prekären Arbeitsbedingungen eingesetzt. Die erheblich niedrigeren Kosten sind der Anreiz für die Privatisierung der Bildung. "Der Staat trägt die Hauptverantwortung für die prekären Arbeitsverhältnisse" (366), weil er keine gesetzlichen oder tarifvertraglichen Beschränkungen setzt. Weiter ist der Bildungsmarkt auf berufliche Qualifikation und kaum auf emanzipatorische Bildung ausgerichtet. Es kommt dadurch zu einer Individualisierung der Arbeitsmarktpolitik mit der Folge, daß die Kosten des Standortwettbewerbs auf die TeilnehmerInnen abgewälzt werden und dies zu ungleichen Chancen beim Bildungserwerb führt. Bezüglich der Qualität der Bildung ist eine Verschlechterung durch die marktförmige Gestaltung der Bildung erkennbar. Als Gegenmaßnahme dieser Tendenzen schlägt Dröll eine Verteuerung der Personalkosten auf dem Bildungsmarkt durch flächendeckende Tarifverträge vor. "Wenn die Auslagerung von Bildungsaufgaben aus staatlicher Verantwortung hin zu Privaten genauso teuer kommt wie die Durchführung in staatlicher Regie, ist ein wesentlicher Stachel des Antriebs zur Privatisierung gezogen." (379) Aus dem Inhalt: 1. Das Problem der Weiterbildung; 3. Die Sparten des Frankfurter Weiterbildungsmarkts; 4. Einige Strukturmerkmale der Weiterbildungsbranche; 5. Zentrale Meßgrößen; 6. Angebote; 7. Personal; 8. Die Einrichtungen zu Problemen der Weiterbildung.
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.343 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Hajo Dröll: Weiterbildung als Ware. Schwalbach/Ts.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7879-weiterbildung-als-ware_10451, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10451 Rezension drucken
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