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/ 21.06.2013
Peter Ramsauer (Hrsg.)

Weichenstellungen für Deutschland und Europa. Theo Waigel. Stationen eines Politikers

München: Olzog 2009; 301 S.; hardc., 38,- €; ISBN 978-3-7892-8306-2
Nationale und internationale politische Weggefährten schildern aus Anlass des siebzigsten Geburtstags von Theo Waigel Stationen aus seinem politischen Leben. Über viele Jahre war Waigel eine der zentralen Figuren bundesdeutscher Politik. Gemeinsam mit Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble und Hans-Dietrich Genscher zählt er zu den zentralen Architekten der Deutschen Einheit. Zudem spielte er eine nicht minder bedeutende Rolle bei der Ausgestaltung der Europäischen Währungsunion, da Waigel gegen zahlreiche Widerstände den Stabilitätspakt mit durchsetzte. Die Einführung des Euro, betont Markus Ferber in seinem Beitrag, war ein Schritt von ungemeiner historischer Bedeutung. Heute zeichne man allzu leicht eine Linie von der deutschen Wiedervereinigung über die Aufnahme Österreichs und der nordischen Staaten in die Europäische Union bis hin zur Einführung des Euro und darüber hinaus zu den Osterweiterungen der Jahre 2004 und 2007. Doch Ferber erläutert, dass „nichts falscher wäre“, denn sowohl der Euro als auch die politische Einigung des Kontinents hingen „bis zuletzt in der Schwebe“ (35). Noch kurz nach seinem Amtsantritt 1989 hatte sich Waigel gegen eine gemeinsame Währung ausgesprochen, besann sich jedoch schnell eines anderen. Und so war es auch Waigel, der im Bewusstsein der Bedeutung von Symbolpolitik 1995 die Diskussionen um den Namen der Währung mit seinem pragmatischen Vorschlag, sie einfach Euro zu nennen, beendete. Gerda Hasselfeldt nutzt ihren Beitrag zu allgemeinen Ausführungen zum „Wert des Parlaments“ (55), dem Waigel 30 Jahre, von 1972 bis 2002, angehörte. Hasselfeldt möchte sich damit betont von aktuell verbreiteter Parlamentskritik absetzen und weist auch die gängigen Argumente über die Auswirkungen der Globalisierung, den Einfluss der Ministerialbürokratie oder von externen Experten- und Lobbygruppen von sich. Sie deutet Parlamentskritik mit einem Zitat Ernst Fraenkels aus dem Jahr 1964 als „reaktionär und schizophren“, solche Kritik sehne sich „heimlich nach einer starken Regierung“ (57).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.3132.3152.3432.3313.5 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Peter Ramsauer (Hrsg.): Weichenstellungen für Deutschland und Europa. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31200-weichenstellungen-fuer-deutschland-und-europa_37110, veröffentlicht am 13.10.2009. Buch-Nr.: 37110 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA