/ 20.06.2013
Nele Matz
Wege zur Koordinierung völkerrechtlicher Verträge. Völkervertragsrechtliche und institutionelle Ansätze. Means to Co-ordinate International Treaties (English Summary)
Berlin/Heidelberg/New York: Springer 2005 (Beiträge zum ausländischen öffentlichen Recht und Völkerrecht 175); XXIV, 423 S.; geb., 84,95 €; ISBN 978-3-540-22852-3Rechtswiss. Diss. Heidelberg; Gutachter: R. Wolfrun, H. Steinberger. Das bereits in geschlossenen nationalen Rechtsordnungen bestehende Problem der Anpassung kollidierender Normen intensiviert sich im Völkerrecht, welches als dezentrales und offenes Rechtssystem durch ein Nebeneinander verschiedener gewohnheits- und vertragsrechtlicher Normen gekennzeichnet ist, um ein Vielfaches. Dieses Problem veranschaulicht Matz exemplarisch am Beispiel des Umweltvölkerrechts. Dabei zeigt sie, dass völkervertragsrechtliche Ansätze allein nicht in der Lage sind, dauerhafte Zusammenarbeit zu gewährleisten. Vertragsrechtliche Reglungen, wie sie etwa in der Wiener Vertragsrechtskonvention zu finden sind, haben nur derogative, aber keine koordinierende Wirkung. Im Umweltvölkerrecht wird diesem Problem dadurch begegnet, dass völkerrechtliche Verträge zunehmend institutionalisierte Formen annehmen, die selbst auf eine Koordinierung der Verträge abzielen. Dem entspricht das politologische Theorem der Global Governance, dem die Autorin sich im letzten Abschnitt widmet. Ein thematisch gebundenes „Dach-Regime“ könnte als inhaltlich flexibles Forum dienen, in dem Entscheidungen koordinierend getroffen werden, die dann zu einer Neuinterpretation bestehender Verträge oder zu Vertragsänderungen führen. Dieses Modell der institutionalisierten Vertragsgruppen als Basis einer weiteren Koordinierung könnte nach Matz einen Anteil an einer konfliktlösenden Rechtsfortbildung gewinnen. Sie bemerkt aber auch, dass der Governance-Ansatz und übergeordnete Organisationen bilaterale Lösungsansätze nicht ersetzen werden. Zudem ist fraglich, ob institutionalisierende Ansätze nicht die Komplexität der internationalen Beziehungen auf ein Maß erhöhen, die einer Koordinierung entgegensteht.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 4.1
Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Nele Matz: Wege zur Koordinierung völkerrechtlicher Verträge. Berlin/Heidelberg/New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25023-wege-zur-koordinierung-voelkerrechtlicher-vertraege_28946, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28946
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
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