/ 21.06.2013
Rainer Eckert
Was stimmt? DDR. Die wichtigsten Antworten
Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2007 (Herder spektrum 5735); 127 S.; kart., 7,90 €; ISBN 978-3-451-05735-9Auf das Wesentlichste beschränkt und doch für einen umfassenden Überblick breit gefächert genug schreibt Eckert, der am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig lehrt, über die DDR. Seine Darstellung ist dem Konzept der Reihe entsprechend in Themen gegliedert. Jedes Kapitel bildet einen abgeschlossenen Text und erklärt pars pro toto, wie die SED-Diktatur jahrzehntelang funktionierte. Eckert benennt die wichtigsten Merkmale wie etwa die aus westlicher Sicht kaum nachvollziehbare Tatsache, dass die ostdeutschen Kommunisten die ideologische wie machtpolitische Dominanz der Sowjetunion nicht als Knebelung, sondern als Ausdruck einer grundsätzlichen Übereinstimmung verstanden – gleichzeitig war es die SED, wie Eckert betont, die den Mauerbau aus eigenem Interesse heraus betrieb. Wie weit es mit der brüderlichen Freundschaft zwischen der Sowjetunion und der DDR tatsächlich her war, lässt sich mit zwei Zahlen illustrieren: Nach Kriegsende hatte die Sowjetunion von Deutschland Reparationen im Wert von 10 Milliarden Dollar gefordert, im Laufe der Jahre dann aber von der DDR Leistungen im Wert von 14 Milliarden Dollar erhalten. Eckert schreibt, dass die DDR damit die größte Reparationsleistung des 20. Jahrhunderts habe zahlen müssen – mit unverkennbaren negativen Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung. Weiterhin sieht der Autor die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dem propagierten Antifaschismus vor allem den jeweils aktuellen politischen Interessen der SED untergeordnet, belegt mit Hinweisen darauf, wer als NS-Täter bestraft wurde und wer nicht. Den Anfang vom Ende der DDR setzt Eckert neben den zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowie mit zwei weiteren Entwicklungen an: Innenpolitisch sei die Ausbürgerung Biermanns ein entscheidender Fehler und Indikator der Unfreiheit gewesen; außenpolitisch habe Honecker nicht erkannt, dass die Entspannung der Beziehungen zur Bundesrepublik einen „für die DDR tödliche[n] Weg der Destabilisierung“ (46) bedeutete, der – im Gegensatz zum Lauf des Sozialismus – nicht umkehrbar war.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Rainer Eckert: Was stimmt? Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27522-was-stimmt_32279, veröffentlicht am 27.03.2008.
Buch-Nr.: 32279
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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