/ 21.06.2013
Susanne Güsten / Thomas Seibert
Was stimmt? Türkei. Die wichtigsten Antworten
Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2007 (Herder spektrum 5734); 126 S.; kart., 7,90 €; ISBN 978-3-451-05734-2„Auf ihrer eigenen Brücke zwischen Ost und West ist die Türkei noch unterwegs“ (120), schreiben die Journalisten Güsten und Seibert und zeichnen ein entsprechend differenziertes Bild dieses Landes, das nicht nur geografisch am Übergang des Nahen Ostens zu Europa liegt. Als prägend schildern sie den Gegensatz zwischen dem modernen Verfassungsstaat und einer traditionellen Gesellschaft. Klar gegliedert werden das Staatswesen, der staatliche Umgang mit der Religion und die damit einhergehende Einschränkung der Religionsfreiheit, die türkische Kultur und der Begriff der Ehre, die Diskriminierung der Frauen und der Minderheiten, die problematische wirtschaftliche Entwicklung, der Zypern-Konflikt und die Außenpolitik dargestellt. Dies geschieht nüchtern und ohne Klischees, aber unter Hinweis auf die vielfältigen Schwierigkeiten und mit erkennbarer Sympathie für die modernen, dem Rechtsstaat westlicher Prägung gegenüber aufgeschlossenen Türken. Den Staat beschreiben die Autoren allerdings als ein auf die Abwehr mutmaßlicher Feinde bedachtes System, das durch ein seit über achtzig Jahren konserviertes Geschichtsbild erstarrt ist. Güsten und Seibert sind der Ansicht, dass sich die Demokratie nur in Staat und Gesellschaft wird tief verankern lassen, wenn auch über die Geschichte, das Verhältnis zur Religion und über die Minderheiten unbefangen diskutiert werden kann – dem stehen aber noch Gesetze zum Schutz des Türkentums entgegen. Trotz dieser unverkennbaren Defizite würdigen die Autoren den Weg, den die Türkei bisher in Richtung Demokratie und Europa zurückgelegt hat und verdeutlichen, wie äußerst langwierig die Veränderung einer traditionellen Gesellschaft ist. Die Entscheidung über die Frage, ob die Türkei Mitglied der Europäischen Union werden sollte, überlassen Güsten und Seibert ihren Lesern. Sie lassen aber keinen Zweifel daran, dass die EU eine entscheidende Rolle in der Modernisierung des Landes spielen und die demokratischen Kräfte stärken würde.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.63 | 2.1 | 2.21 | 2.22 | 2.23 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Susanne Güsten / Thomas Seibert: Was stimmt? Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27521-was-stimmt_32278, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 32278
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