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/ 21.06.2013
Hans-Peter Dürr

Warum es ums Ganze geht. Neues Denken für eine Welt im Umbruch. Hrsg. von Dietlind Klemm und Frauke Liesenborghs

München: oekom verlag 2009; 189 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-86581-173-8
In dem Band finden sich verschiedene Aufsätze Dürrs zu zentralen Themen seines Denkens. Der Physiker und Träger des Alternativen Nobelpreises schildert nicht nur seine Begegnungen mit für ihn prägenden Persönlichkeiten wie Edward Teller, Werner Heisenberg oder Hannah Arendt, er setzt auch auseinander, warum die revolutionären Erkenntnisse der modernen Physik ein neues Denken erfordern. Nach dem Krieg studierte Dürr in Berkeley Physik, besuchte aber auch ein Oberseminar bei Hannah Arendt über „Die grundsätzlichen politischen Erfahrungen unserer Zeit“. Dort verinnerlichte er die Aufforderung zu politischem Engagement Arendts: „Du musst dich einmischen, du musst ein Grenzgänger werden“ (34). Für Dürr ist es ein Irrglaube, dass die Naturwissenschaftler „als die großen Zauberer unserer Zeit“ (72) alle Probleme lösen und alle Wünsche erfüllen können. Es sei nicht jede Grenze zu sprengen, auch und gerade jene der natürlichen Ressourcen nicht. Jede Erschließung neuer Ressourcen werde teurer und aufwändiger, dadurch falle der Grenznutzen und zwinge deshalb „zu einem immer schnelleren Verbrauch von Ressourcen und zu immer extremeren und riskanteren Formen der Technik“ (73). Aus dieser Überlegung heraus geht Dürr zur Frage nach der Verantwortung der Naturwissenschaftler für ihr Handeln über. Wissenschaft, so führt der Autor aus, sei nicht wertfrei, könne dies überhaupt nicht sein. Denn die moderne Naturwissenschaft habe zum einen gelehrt, dass es eine „objektivierbare Wirklichkeit […] eigentlich gar nicht gibt“ (76) und zum anderen, dass Wissen auch zum „Know-how, zu einem Zweckwissen und zu einem hochpotenten Mittel der Macht“ (77) genutzt werden kann. Und er geht sogar noch einen Schritt weiter. Anhand des Bildes einer Seilschaft auf Bergtour erläutert Dürr, dass ein verantwortungsbewusster Wissenschaftler dort, wo andere mit in den Abgrund gerissen werden könnten, nicht weitergehen dürfe, selbst dann nicht, wenn einige „segensreiche Fortschritte“ (78) winken, und er die Vorsicht erhöht, da man sich immer an der ungünstigsten Prognose orientieren müsse. Dürr denkt hier unter anderem an die Gentechnologie.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22.232.32.3132.644.14.225.25.425.46 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Hans-Peter Dürr: Warum es ums Ganze geht. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31391-warum-es-ums-ganze-geht_37360, veröffentlicht am 11.11.2009. Buch-Nr.: 37360 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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