/ 05.06.2013
Peter Kunth
Wahlmanipulationen. Studentische Subkulturen - Mehrheitsprinzip - Rechtsgeltung - Wahlprüfungsrecht
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1998 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 346); XX, 585 S.; brosch., 148,- DM; ISBN 3-631-32976-8Gesellschaftswiss. Diss. Frankfurt a. M.; Erstgutachter: V. Nitzschke, Zweitgutachterin: I. Maus. - Der Autor will den Einfluß der aus der 68er-Studentenrevolte hervorgegangenen Kräfte der "Neuen Linken" bzw. "Undogmatischen Linken" (passim) auf die Wahlen innerhalb der Verfaßten Studentenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. untersuchen. Als Problem konstatiert er die seiner Meinung nach von den Linken kontrollierten "rechtswidrig konstituierte[n] Zwangskörperschaften, deren teilweise illegales Handeln der demokratische Rechtsstaat offensichtlich nicht zu unterbinden gewillt oder fähig ist" (13). Hieraus ergibt sich die "gezielte Suspendierung der demokratischen Wahlrechtsgrundsätze" (11) in Studentenschaftswahlen und letztlich die "Erosion des Rechtsstaats in diesem seinem der Öffentlichkeit schwer zugänglichen Bereich" (13). Realisierbar sind solche Manipulationen nur in einem politischen Umfeld, dem die ursprünglichen Werte der 68er abhanden gekommen sind: "'Stetig kultiviertes Unbehagen am Staat', kontinuierlicher 'Verfall von Normen, die Selbstversagung verlangen', dekadente Verleugnung der eigenen Kultur und Tradition durch maßgebliche Teile des heutigen Staatsvolks" (10) kennzeichnen dieses Umfeld ebenso wie der Werteverlust selbst unter "damaligen Akteure[n]", von denen "[v]iele [...] inzwischen mit dem Deutschen Staate, dem materiellen Wohlstand der Oberschicht verhaftet, ihren Frieden geschlossen" haben und "heute in Spitzenstellungen der Partei der 'Grünen', aber auch der SPD, finanziell bequem und risikolos gebettet in hochdotierten, unkündbaren Positionen des staatlichen Bildungs- und Kulturbereichs sowie der Medien" (2) sitzen. Die Frankfurter Goethe-Universität sei dabei nur ein repräsentatives Beispiel für ähnliche Vorgänge auch an anderen Universitäten, schließlich sogar warnendes Zeichen für "mögliche inhärente Schwächen aller rechtsstaatlich-demokratischen Wahlverfahren" (14). Die Zitate ließen sich fortsetzen; wer eine Dissertation sine ira et studio erwartet, wird sich enttäuscht sehen.
Inhaltsübersicht: I. Über Deformationen des Mehrheitsprinzips in der rechtsstaatlichen Demokratie; II. Über Deformationen des Mehrheitsprinzips an westdeutschen Hochschulen; III. Zum Problem der Normhypotrophie studentischer Wahlordnungen am Beispiel des Studentenschaftswahlrechts an der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main 1951-1994; IV. Der rechtsstaatlich-demokratische Gehalt des Studentenschaftswahlrechts im demokratischen Rechtsstaat; V. Die Studentenschaftswahlen an der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main in der Zeit von 1967 bis 1997 und deren Wahlprüfung.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 2.263 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Peter Kunth: Wahlmanipulationen. Frankfurt a. M. u. a.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7641-wahlmanipulationen_10145, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10145
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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