/ 21.06.2013
Philipp Erbentraut
Volkssouveränität. Ein obsoletes Konzept?
Marburg: Tectum Verlag 2009 (Politikwissenschaften 17); 113 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9903-2Magisterarbeit Greifswald; Gutachter: H. Buchstein, D. Jörke. – Erbentraut verfolgt das Ziel, den Gedanken der Volkssouveränität in einem ersten Schritt als ideengeschichtliche Untersuchung zu rekonstruieren und danach als modernes Konzept demokratischer Legitimation neu zu begründen. Dabei beginnt er die Genese des politischen Konzepts im Mittelalter und stellt den Gesellschaftsvertrag Rousseaus (Contrat social) als zentralen Theorieentwurf heraus. In einem zweiten Schritt diskutiert er herausgehobene Kritiker des Rousseau’schen Entwurfs staatsbürgerlicher Selbstbestimmung (Kielmansegg und Kriele), um sofort auf deren Einwände mit den modernen diskurstheoretischen bzw. prozeduralistischen Antworten von Habermas und Maus zu reagieren. Den Höhepunkt seiner Argumentation – die aufgrund der Kürze einer solchen Arbeit nur oberflächlich und stichpunktartig entwickelt werden konnte – bildet die Frage der praktischen Umsetzung von Volkssouveränität in der modernen Demokratie. Erbentraut beantwortet diese mit einer Überantwortung von Regelungsautonomie an kleinere Gruppen der Gesellschaft (Rätegedanke). Die zentrale Debatte über das Konzept der staatsbürgerlichen Selbstregelung politischer Prozesse befasst sich mit den Rechten einer unterlegenen Minderheit bei Mehrheitsentscheidungen. Bei Rousseau muss sich die Minderheit dem Gemeinwillen unterwerfen, als Alternative besteht nur der Ausschluss aus der Gesellschaft. Erbentraut spricht in Anlehnung an Abromeit dem Individuum die Handlungsfreiheit zu, seine Zustimmung zu verweigern, jedoch unter Voraussetzung und Beibehaltung einer staatsbürgerlichen Orientierung. Die Stärkung direktdemokratischer Entscheidungen im politischen Prozess lässt die repräsentative Stellung von gewählten Abgeordneten und Parteien zugunsten dezentralisierter Formen der Legislative zurücktreten. Der Schwachpunkt der politisch ambitionierten Arbeit liegt in dem nur oberflächlich als ideengeschichtliche Begründung herangezogenen theoretischen Diskurs. Dieser scheint jedoch nur darauf ausgerichtet zu sein, der politischen Zielsetzung des Autors zu dienen.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.41 | 5.3 | 2.32
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Philipp Erbentraut: Volkssouveränität. Marburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31029-volkssouveraenitaet_36882, veröffentlicht am 02.09.2009.
Buch-Nr.: 36882
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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