/ 03.06.2013
Peter Häberle
Verfassung als öffentlicher Prozeß. Materialien zu einer Verfassungstheorie der offenen Gesellschaft
Berlin: Duncker & Humblot 1996 (Schriften zum Öffentlichen Recht 353); 881 S.; 2., erw. Aufl.; 198,- DM; ISBN 3-428-08491-8Die zweite Auflage ist um ein Kapitel ergänzt, das bereits veröffentlichte Aufsätze Häberles, vorrangig zum Problem der Verfassunggebung in den mittel- und osteuropäischen Staaten nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime, unter dem Leitgedanken des Titels zu integrieren sucht. Durch die Transformationsprozesse der sich neu verfassenden Staaten und nicht zuletzt auch von seiner beratenden Funktion bei der Verfassunggebung in Estland und Polen inspiriert, bereichert Häberle die (deutsche) Verfassungstheorie um weitere Einsichten in die Bedeutung externer Einflüsse für die Entstehung und Gestaltung von Verfassungen.
Inhalt: I. Gegenstand und Methoden der Verfassungsinterpretation: 1. Demokratische Verfassungstheorie im Lichte des Möglichkeitsdenkens (1977) mit Nachtrag (1978); 2. Zeit und Verfassung (1974) mit Nachtrag (1978); 3. Verfassungstheorie ohne Naturrecht (1974) mit Nachtrag (1978); 4. Verfassungsinterpretation als öffentlicher Prozeß – ein Pluralismuskonzept (Freiburger Vortrag 1978), Originalbeitrag. II. Offener Staat und verfaßte Gesellschaft: 5. Die offene Gesellschaft der Verfassungsinterpreten (1975) mit Nachtrag (1978); 6. Verfassungsinterpretation und Verfassunggebung (Berner Gastvortrag 1977), Originalbeitrag; 7. Öffentlichkeit und Verfassung (1969) mit Nachtrag (1978); 8. Retrospektive Staats(rechts)lehre oder realistische "Gesellschaftslehre"? (1972) mit Nachtrag (1978); 9. Allgemeine Staatslehre, demokratische Verfassungslehre oder Staatsrechtslehre? (1973); 10. Effizienz und Verfassung (1973) mit Nachtrag (1978); 11. Verfassungstheorie zwischen Dialektik und Kritischem Rationalismus (1976) mit Nachtrag (1978); 12. Positivismus als Historismus? (1977) mit Nachtrag (1978); 13. "Staatskirchenrecht" als Religionsrecht der verfaßten Gesellschaft (1976) mit Nachtrag (1978); 14. Staatslehre als Verfassungsgeschichte (1977); 15. Zur gegenwärtigen Diskussion um das Problem der Souveränität (1967) mit Nachtrag (1978); 16. Zum Staatsdenken von Ernst Forsthoff (1976); 17. Der kooperative Verfassungsstaat (1978). III. Ausgewählte Einzelfragen, spezielle Rechtsbereiche: 18. "Leistungsrecht" im sozialen Rechtsstaat (1972) mit Nachtrag (1978); 19. Besprechung von Hartwich: Sozialstaatspostulat und gesellschaftlicher status quo (1975); 20. Besprechung von Schelsky: Systemüberwindung, Demokratisierung, Gewaltenteilung (1975); 21. Formen und Grenzen normierender Kraft der Öffentlichkeit in gemeinwohlhaltigen Fragen der Praxis (1971) mit Nachtrag (1978); 22. Verfassungsrechtlicher Abgeordnetenstatus und Grunddiätenbesteuerung in der egalitären Demokratie (Originalbeitrag) mit Nachtrag (1978), zugl. zum AbgG v. 1977; 23. Öffentlichkeitsarbeit der Regierung zwischen Parteien- und Bürgerdemokratie (1977); 24. Besprechung von Stolleis: Gemeinwohlformeln im nationalsozialistischen Recht (1976); 25. Das Mehrheitsprinzip als Strukturelement der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (1977) mit Nachtrag (1978); 26. Die Grundrechte im demokratischen Staat (1974) mit Nachtrag (1978); 27. Exzessive Glaubenswerbung in Sonderstatusverhältnissen (Freiburger Probevortrag, 1969); 28. Besprechung von Schlaich, Klaus: Neutralität als verfassungsrechtliches Prinzip (1973); 29. Die Koalitionsvereinbarungen im Lichte des Verfassungsrechts (1965) mit Nachtrag (1978); 30. Verfassungsprozeßrecht als konkretisiertes Verfassungsrecht im Spiegel der Judikatur des BVerfG (1976) mit Nachtrag (1978); 31. Auf dem Weg zum Allgemeinen Verwaltungsrecht (1977) mit Nachtrag: Die Aktualität des status activus processualis (1978). IV. Anhang: 32. Zum Tode von Rudolf Smend (1975) mit Nachtrag (1978); 33. Das schöpferische Nein als Ja zur Zukunft. Der Jurist und Politiker Adolf Arndt (1977) mit Nachtrag (1978). V. Ergänzungen 1995: 34. Vorläufige und punktuelle Stellungnahme zum Verfassungsentwurf Estland (Verfassunggebende Versammlung, Entwurf vom 13. Dezember 1991) (1995); 35. Die "soziale Marktwirtschaft" als dritter Weg – Konsequenzen für die heutige Verfassunggebung, z. B. in Polen (1995); 36. Verfassungspolitische Maximen für die Ausgestaltung der "Europafähigkeit" Polens. Eine Denkschrift zur aktuellen Verfassunggebung in Polen (1995); 37. Das Grundgesetz und die Herausforderungen der Zukunft. Wer gestaltet unsere Verfassungsordnung? (1990); 38. Die verfassunggebende Gewalt des Volkes: Das Beispiel Deutschland 1989/90/91 (1991); 39. Die Verfassungsbewegung in den neuen Bundesländern und ihre Bedeutung für den deutschen Föderalismus und die GG-Reform - eine Zwischenbilanz (1994); 40. Ein Zwischenruf zur föderalen Neugliederungsdiskussion in Deutschland - Gegen die Entleerung von Art. 29 Abs. 1 GG (1995); 41. Bundesverfassungsrichter-Kandidaten auf dem Prüfstand? Ein Ja zum Erfordernis "öffentlicher Anhörung" (1994); 42. Probleme der Verfassungsreform in Italien – Außenansichten eines "teilnehmenden Beobachters" (1995).
Oliver Lembcke (OL)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.21 | 2.62 | 2.61 | 2.32 | 2.313 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Oliver Lembcke, Rezension zu: Peter Häberle: Verfassung als öffentlicher Prozeß. Berlin: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/1542-verfassung-als-oeffentlicher-prozess_1757, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 1757
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Dr., Politikwissenschaftler.
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