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/ 21.06.2013
Rainer Karlsch

Uran für Moskau. Die Wismut – Eine populäre Geschichte

Berlin: Ch. Links Verlag 2007; 275 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 978-3-86153-427-3
Karlsch erweitert in diesem Band seine mehrjährigen, in verschiedenen Publikationen schon teilweise beschriebenen Forschungen über den Uran-Abbau in der DDR zu einer umfassenden zeitgeschichtlichen Darstellung. Dabei bettet er das Geschehen in den Kontext des internationalen Wettrüstens, beschreibt es als einen wichtigen Teil der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der DDR und der Sowjetunion und ordnet schließlich die Kritik, die sich in oppositionellen Kreisen an den mit dem Uranabbau einhergehenden Umweltzerstörungen entwickelte, als einen Beitrag zum Ende des SED-Regimes ein. Die ganze Geschichte beginnt damit, dass die Bergleute im Erzgebirge schon vor Jahrhunderten die für sie wertlose „Pechblende“ fanden, die im 18. Jahrhundert als Uran benannt und nach und nach in ihren Eigenschaften erkannt wurde – das Spaltprodukt ist Plutonium. Anfangs schrieb man den unsichtbaren Strahlen eine heilende Wirkung zu, im Erzgebirge entstanden Kurorte. Bereits seit Ende des 15. Jahrhunderts aber wurde auch die Strahlenkrankheit beschrieben und 1925 als Berufskrankheit der Bergleute anerkannt. Mit der Atomforschung erwuchs allerdings ein ganz anderes Interesse am Uran. Die Vorkommen im Erzgebirge, nach Kriegsende in der sowjetischen Besatzungszone gelegen, ermöglichten der Sowjetunion (die über keine eigenen Uranvorkommen verfügte) ein eigenes Atomwaffenprogramm. Die Bergwerke wurden beschlagnahmt und nach deutschem Aktienrecht die Wismut AG gegründet, ein Teil des Gewinns wurde der DDR als Reparation gutgeschrieben. Das sowjetische Staatsunternehmen wurde später in eine deutsch-sowjetische Aktiengesellschaft umgewandelt. Karlsch beschreibt ausführlich diese Entwicklung, in der sich das Unternehmen von der Arbeitsstätte von meist Zwangsverpflichteten zu einem Arbeitgeber entwickelte, der vergleichsweise gute Löhne und Sozialleistungen bot. Der Uran-Abbau aber ruinierte die Gesundheit vieler Bergleute, zerstörte die Umwelt und blieb für die DDR ein riesiges Zuschussgeschäft – bis 1989 summierten sich allein die direkten Kosten auf rund 25 Milliarden Mark.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Rainer Karlsch: Uran für Moskau. Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27804-uran-fuer-moskau_32652, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32652 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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