/ 11.06.2013
Adam Smith
Untersuchung über Wesen und Ursachen des Reichtums der Völker. Aus dem Englischen übersetzt von Monika Streissler. Hrsg. und eingeleitet von Erich W. Streissler.
Düsseldorf: Wirtschaft und Finanzen 1999; 924 S.; Ln., 168,- DM; ISBN 3-87881-142-XNeben David Hume gehört Adam Smith zu den bekanntesten und wichtigsten Vertretern britischer und schottischer Moralphilosophie. Heute wird Smith in erster Linie von den Ökonomen als einer der ihrigen beansprucht, eilt ihm doch der Ruf nach, großer Nationalökonom und Schöpfer der Volkwirtschaftslehre gewesen zu sein. Daran ist zu einem beträchtlichen Maße sein wohl bekanntestes und hier vorliegendes Werk schuld. Nur zu leicht wird vergessen, daß Smith ein Universalgelehrter war. Als solcher tat er sich auch auf den Gebieten der Rechtsphilosophie, der Moralphilosophie und des Freiheitsdenkens hervor und versuchte, die Summe des gesamten Wissens seiner Zeit in einem Universalwerk "Theory of Moral Sentiments" niederzuschreiben. Das vorliegende Werk ist somit nicht nur der Klassiker liberaler Wirtschaftstheorie, sondern leistet auch deren Begründung in einer Staats- und Gesellschaftstheorie. Smith entfaltet eine systematische Theorie der Nationalökonomie zu Beginn der englischen Industrialisierung und beschreibt deren staatliche und gesellschaftliche Voraussetzungen. Dazu gehören unter anderem der gewaltenteilige Rechtsstaat, welcher die Gleichheit seiner Bürger garantiert, und eine liberale Rechts- und Bildungspolitik.
Damit zählt Smith' Werk zu den epochalen Schriften des 18. Jahrhunderts, wofür auch die Liste der Übersetzungen ins Deutsche spricht. Die erste Übertragung erfolgte schon im Jahr der Erstveröffentlichung 1776 durch Johann F. Schiller, einem Verwandten des Dichters. Zu den bedeutendsten Übersetzungen zählen die von Christian Garve (1794) und Max Stirner (1846-1847). Die wohl weiteste Verbreitung unter Ökonomen fand die Übertragung von Ernst Grünfeld (1908-1923). Übersetzungen aus der neueren Zeit stammen von Horst Claus Recktenwald (1974) und Peter Thal (1963-1983, Ost-Berlin). Gemessen an der Bedeutung des Werkes auch in der Gegenwart und dem Alter der Übersetzungen schien es für den Herausgeber Streissler an der Zeit, eine zeitgemäße und wissenschaftlich abgesicherte Übersetzung zu wagen. Diese Aufgabe wurde in den Bänden von Monika Streissler kongenial gemeistert. Der verwendete Text basiert auf den 1976 veröffentlichten Bänden der "Glasgow Edition of the Works and Correspondence of Adam Smith", welche anläßlich der Zweihundertjahrfeier der Erstveröffentlichung des "Reichtums der Völker" erstellt wurde. Für die Edition dieses Textes zog man die ersten sechs Auflagen, in Zweifelsfällen jedoch die dritte Auflage, deren Drucklegung von Smith selbst kontrolliert wurde, zu Rate. Der Herausgeber dieser beiden Bände führt mit profunden Kenntnissen des Werks Adam Smith' und des englischen 18. Jahrhunderts in das Werk ein und gibt mit seinem Aufsatz "Adam Smith – 'der Adam' oder 'nur Wachstum'?" einen Einblick in das Denken von Adam Smith und zeigt das tatsächlich Neue hinsichtlich der Staats- und Gesellschaftstheorien im "Reichtum der Völker" auf. Alles in allem eine äußerst gelungene Neuauflage des Klassikers, welche noch dazu in sehr ästhetischer Weise präsentiert wird.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 5.33
Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Adam Smith: Untersuchung über Wesen und Ursachen des Reichtums der Völker. Düsseldorf: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10098-untersuchung-ueber-wesen-und-ursachen-des-reichtums-der-voelker_11941, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11941
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M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
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