/ 21.06.2013
Steffen Mau
Transnationale Vergesellschaftung. Die Entgrenzung sozialer Lebenswelten
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2007 (Staatlichkeit im Wandel); 327 S.; kart., 39,90 €; ISBN 978-3-593-38438-2Phänomene der Globalisierung – also grenzüberschreitende Kommunikations- und Interaktionsprozesse – stellen die Soziologie theoretisch wie begrifflich vor erhebliche Anforderungen. Auf der einen Seite nämlich scheinen sie einen zunehmenden Verlust der Ortsgebundenheit von Sozialbeziehungen anzuzeigen, sodass Gesellschaftstheorie die soziale Bedeutung des Raums zu überdenken hätte. Auf der anderen Seite wird vielfach befürchtet, dass Vorgänge der Transnationalisierung die Relevanz des nationalstaatlichen Integrationsmodus aufweichen und damit zu einem Auseinanderfallen von Gesellschaft führen. Vor diesem Hintergrund befasst sich Mau, Professor für politische Soziologie und vergleichende Analyse von Gegenwartsgesellschaften an der Universität Bremen, mit Gestalt und Ausdehnung transnationaler Sozialformen, die – so seine leitende These – einen Umfang erreicht haben, der die nationalstaatliche Binnenkommunikation relativiert und die Bedeutung der Außenkommunikation erhöht hat. Diese Tendenzen diskutiert der Autor zunächst im theoretischen Kontext, vor allem mit Blick auf Transformationen nationalstaatlicher Raumordnungen. Der Schwerpunkt der Studie liegt jedoch in einer empirischen Analyse von Auswirkungen der Transnationalisierung auf individuelle Lebenswelten. Das betrifft zum einen Aspekte des Alltagsverhaltens wie familiäre Beziehungen, Bekanntschafts- und Freundschaftsnetzwerke, Mobilität. Zum anderen gilt das Interesse einer möglichen Veränderung von kognitiven und normativen Perspektiven der individuellen Akteure. Basis des empirischen Teils ist eine repräsentative Befragung, die 2006 im Rahmen des DFG geförderten Forschungsprojektes „Transnationalisierung sozialer Beziehungen“ durchgeführt wurde. Prozesse der Transnationalisierung zeigen bisher noch keine eindeutigen Konturen – so die Befunde der Studie – aber sie widerlegen doch einige der theoretisch formulierten Befürchtungen wie jene, dass räumliche Bezüge obsolet werden oder dass Grenzüberschreitungen grundsätzlich zu Lasten der nationalen Integration gehen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Steffen Mau: Transnationale Vergesellschaftung. Frankfurt a. M./New York: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28195-transnationale-vergesellschaftung_33159, veröffentlicht am 27.03.2008.
Buch-Nr.: 33159
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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