/ 21.06.2013
Detmar Doering
Traktat über Freiheit
München: Olzog 2009; 287 S.; hardc., 24,90 €; ISBN 978-3-7892-8310-9Der Leiter des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung legt eine Erörterung zum Freiheitsbegriff vor. Dieser schillernde Terminus ist seit jeher Anlass für Streit, wenn es um seine Definition geht und zugleich universale Projektionsfläche für allerlei Sehnsüchte. Und obwohl Freiheit zum Kernbestand des Selbstverständnisses moderner Gesellschaften zählt, hat sie es schwer. Doering verweist darauf, dass dem Begriff die nötige Nestwärme fehle, d. h. Freiheit kann Angst auslösen und wird im Zweifel dem Verlangen nach Sicherheit geopfert. Über die ideengeschichtlichen Vorläufer von Locke bis Humboldt, über Franklin bis Popper und Friedrich von Hayek zeigt der Autor die Entwicklung liberaler Positionen einschließlich des heutigen Anarcho-Liberalismus nach Murray N. Rothbard oder David Friedman auf. Letzteres ist für Doering ein utopisches Ziel, kaum zu erreichen und dennoch zu erstreben, wie aus seinen Überlegungen zum Verhältnis von Freiheit und Staat deutlich wird: „Es ist theoretisch möglich (und vielleicht eines Tages wahrscheinlich), dass sich der Staat so friedlich und harmonisch auflöst, dass der Übergang zur Anarchie und zur totalen Freiheit ohne neue Vermachtungstendenzen abläuft“ (89). Letztlich spreche, führt der Autor aus, nichts dagegen, auch Polizei, Justiz und Armee zu privatisieren. Er geht jedoch nicht auf gruppendynamische Prozesse oder die Verbindung von Eigentum und Macht ein. Und damit wird eine Schwäche der theoretisch so anregenden Abhandlung deutlich, denn ihr Autor verliert zu wenig Worte über die tatsächliche Praktikabilität seiner Gedanken. Hier wäre ein stärker sozialwissenschaftlicher Blickwinkel sinnvoller gewesen. Doerings positive Beispiele sind spontane Rechtsfindungen im Bereich des Handelsrechts im Mittelalter oder das Island des 9. Jahrhunderts. Die Demokratie ist nach Doering nicht mit Freiheit gleichzusetzen, sie ist nach Churchills Bonmot tatsächlich nur „die schlechteste Staatsform, ausgenommen alle anderen“ (119). Man müsse die Freiheit in der Demokratie stärken, indem man den Staat zähmt. Die Mittel dazu seien „Non-Zentralisation“ und das „Subsidiaritätsprinzip“ (120).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Detmar Doering: Traktat über Freiheit München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31386-traktat-ueber-freiheit_37355, veröffentlicht am 01.12.2009.
Buch-Nr.: 37355
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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