/ 04.06.2013
Alfons Söllner / Ralf Walkenhaus / Karin Wieland (Hrsg.)
Totalitarismus. Eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts
Berlin: Akademie Verlag 1997; 298 S.; geb., 78,- DM; ISBN 3-05-003122-0Diese Bestandsaufnahme zielt nicht auf einen weiteren Vergleich der unterschiedlichen Modellierungen – der "Objektbeziehungen" (16) – von Totalitarismuskonzeptionen, sondern er nimmt gewissermaßen die Subjektbeziehungen in den Blick: Im Zentrum stehen Fragen nach den der Theoriebildung vorausliegenden persönlichen Erfahrungen und den in die Konzeptionen eingegangenen politischen Ordnungsvorstellungen der "Erfinder" (18) der verschiedenen Totalitarismuskonzeptionen. Auf diese Weise lassen sich Personen- und Wissenschaftsgeschichte parallelisieren und die gemeinsamen Ausgangspunkte sowie Ziele der in den unterschiedlichen Milieus entstandenen Totalitarismuskonzeptionen miteinander vergleichen. Ein solcher ideengeschichtlicher Ansatz, der den Beiträgen des Sammelbandes gemeinsam ist, wird neue und konstruktive Wege einer Auseinandersetzung mit dem Phänomen des 21. Jahrhunderts betreten.
Inhalt: Alfons Söllner: Das Totalitarismuskonzept in der Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts (10-21). I. Im Reisegepäck der Emigranten. Zur Entstehung der Totalitarismustheorie: Heinz Hürten: Modernitätskritik und Totalitarismustheorie im Frühwerk von Waldemar Gurian (25-34); William Jones: The Path from Weimar Communism to the Cold War. Franz Borkenau and "The Totalitarian Enemy" (35-52); Alfons Söllner: Sigmund Neumanns "Permanent Revolution". Ein vergessener Klassiker der vergleichenden Diktaturforschung (53-73). II. Der "Erfahrungsgrund" der Totalitarismustheorie: Ralf Walkenhaus: Totalität als Anpassungskategorie. Eine Momentaufnahme der Denkentwicklung von Carl Schmitt und Rudolf Huber (77-104); Michael Rohrwasser: Totalitarismus und Renegatenliteratur (105-116); Karin Wieland: "Totalitarismus" als Rache. Ruth Fischer und ihr Buch "Stalin and German Communism" (117-138). III. USA. Die Klassiker der Totalitarismustheorie: Juan J. Linz: Totalitarianism and Authoritarianism. My Recollections on the Development of Comparative Politics (141-157); Seyla Benhabib: From Martin Heidegger to Alexis de Tocqueville. The Contemporary Relevance of Hannah Arendt's Theory of Totalitarianism (158-173); Hans J. Lietzmann: Von der konstitutionellen zur totalitären Diktatur. Carl Joachim Friedrichs Totalitarismustheorie (174-192). IV. Frankreich. Antitotalitarismus als Intellektuellendiskurs: Joachim Stark: Raymond Aron und der Gestaltwandel des Totalitarismus (195-207); Ulrich Rödel: Von der Totalitarismustheorie zur Demokratietheorie. Claude Lefort und Cornelius Castoriadis (208-219); Pierre Bouretz: Das totalitäre Rätsel des 20. Jahrhunderts (220-235). V. Deutschland. Die Totalitarismustheorie in einem geteilten Land: Hubertus Buchstein: Totalitarismustheorie und empirische Politikforschung – Die Wandlung der Totalitarismuskonzeption in der frühen Berliner Politikwissenschaft (239-266); Wolfgang Kraushaar: Von der Totalitarismustheorie zur Faschismustheorie – Zu einem Paradigmenwechsdel in der bundesdeutschen Studentenbewegung (267-283); Karsten Fischer: Totalitarismus als komparative Epochenkategorie – Zur Renaissance des Konzepts in der Historiographie des 20. Jahrhunderts (284-296).
Oliver Lembcke (OL)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.4
Empfohlene Zitierweise: Oliver Lembcke, Rezension zu: Alfons Söllner / Ralf Walkenhaus / Karin Wieland (Hrsg.): Totalitarismus. Berlin: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3736-totalitarismus_4995, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4995
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Dr., Politikwissenschaftler.
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