/ 17.06.2013
Gordon Charles Ross
The Swastika in Socialism. Right-Wing Extremism in the GDR
Hamburg: Verlag Dr. Kovac 2000 (Politica 43); XI, 258 S.; 79,95 €; ISBN 3-8300-0228-9Ist der Rechtsextremismus in den neuen Ländern ein unmittelbares Produkt der Wiedervereinigung oder handelt es sich dabei um ein Phänomen, das seinen Ursprung im sozialistischen System der DDR hat? Ross untersucht die Existenz von Rechtsextremismus in der DDR im Hinblick auf die politisch-kulturellen Hintergründe im selbst ernannten antifaschistischen Staat. Im ersten Teil stellt der Autor den theoretischen Diskurs über die möglichen Ursachen von Rechtsextremismus dar. Durch eine klare Definition von Rechtsextremismus und der Darstellung des deutschen Verständnisses von Nation, Ethnie und Bürgertum setzt Ross einen klaren Rahmen für seine politikwissenschaftliche Analyse. Der zweite Teil befasst sich mit dem empirischen Faktum solcher politischer Strömungen in der DDR. Ross beschreibt die einzelnen rechtsextremen Gruppierungen der DDR, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Er zeigt, dass diese Gruppen in der DDR keineswegs dem stereotypen Bild einer sozialökonomisch marginalisierten Gesellschaftsschicht entsprachen. Diese begannen als eine Subkultur, die sich jedoch in ihrer Politisierung von anderen subkulturellen Gruppen unterschieden. Die politische Motivation war eine Mischung aus antikommunistischer Agitation und nationalsozialistischer Überzeugung. Ferner vermittelt das Buch Informationen über Art und Häufigkeit rechtsradikaler Aktionen und über den Umgang von Staat, Medien und Öffentlichkeit mit einem Phänomen, welches gemäß der offiziellen Doktrin nicht existierte. Im dritten Teil erfolgt die Einbindung der empirischen Erkenntnisse in die theoretischen Erklärungsmodelle, die im ersten Abschnitt erläutert wurden. Die Gründe für den Rechtsextremismus in der DDR sieht Ross unter anderem in der ideologischen Kongruenz zwischen rechtsextremen Idealen und dem preußisch geprägten, straff organisierten Obrigkeitsstaat, den das DDR-System verkörperte. Zum anderen habe das sozialistische Wertesystem einen ethnischen Nationalismus latent forciert.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der heutige Rechtsextremismus keine bloße Folge der Wiedervereinigung und der damit verbundenen sozialen und politischen Umwälzungen sei, wenngleich er sich heute in einer anderen Qualität und Quantität präsentiert. Vielmehr habe das DDR-System seinen eigenen Rechtsextremismus geboren. "The GDR right-wing movement helped shape the development of right-wing extremism in East Germany after 1990" (193).
Aus dem Inhalt: II. The Swastika in Socialism: 3. Numbers, Organisations and Structures; 4. Incidents; 5. Who were the GDR Right-Wing Extremists?; 6. Motivation, Ideology, Aims and Objectives; 7. Reactions and Responses. III. Socialism in One Country: 8. Socialism with a Prussian Face; 9. Socialism in One Country.
Sven Wagener (SWA)
Dipl.-Politologe, M. E. S.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Sven Wagener, Rezension zu: Gordon Charles Ross: The Swastika in Socialism. Hamburg: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16808-the-swastika-in-socialism_19312, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19312
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Dipl.-Politologe, M. E. S.
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