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/ 18.06.2013
Eva Maria Maier

Teleologie und politische Vernunft. Entwicklungslinien republikanischer Politik bei Aristoteles und Thomas von Aquin

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2002 (Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie 29); 443 S.; brosch., 50,- €; ISBN 3-7890-7781-X
Rechtswiss. Habilitationsschrift Wien; Gutachter: G. Luf, W. Schild. - Die rechtsphilosophische und religionsrechtliche Arbeit analysiert das aristotelische Modell eines auf praktische Vernünftigkeit angelegten Staates und seine Veränderung in der Rezeption durch von Aquin. Diese Analyse ist nach Ansicht der Autorin auch von aktuellem Interesse, weil sich die politische Philosophie von Aristoteles gegen eine einseitig ökonomische Interpretation der Staatsaufgaben und gegen einen Zerfall der politischen Gemeinschaft aufgrund einer zu starken Orientierung an Partikularinteressen wendet. Die aristotelische Philosophie ist Gegenstand des ersten Teils der Arbeit. Die Interpretation betont die Strukturanalogie zwischen der Metaphysik und der praktischen Philosophie, hebt aber zugleich die Eigenständigkeit der Letzteren hervor: Der Mensch verwirklicht sich im vernünftigen Streben, wie es im "politisch-kommunikativen Handeln in der polis" (und nicht allein in der theoretischen Tätigkeit) zum Ausdruck kommt (16). In der sittlichen Praxis, die dabei erreicht wird, liegt die wirkliche Freiheit des Menschen - eine Auffassung, die sich grundlegend vom modernen Verständnis unbedingter Freiheit unterscheidet. Aufbauend auf dieser Interpretation der praktischen Philosophie, die dessen teleologische Ausrichtung hervorhebt, wird die "Politik" von Aristoteles behandelt. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit der politischen Philosophie von Thomas von Aquin. Im Vordergrund stehen dabei die Veränderungen, die das aristotelische Modell durch die Verbindung mit der christlichen Tradition - insbesondere dem Transzendenzbezug und der Betonung der Geschichtlichkeit des Menschen - erfahren hat. Diese Veränderungen sind vor allem deshalb interessant, weil in ihnen Teile des neuzeitlichen Verständnisses von Staat und Recht angelegt sind. Dem rechtsphilosophischen Ansatz der Arbeit entsprechend steht im Zentrum der Auseinandersetzung mit Thomas die Analyse seines Verständnisses des Gesetzes.
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.31 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Eva Maria Maier: Teleologie und politische Vernunft. Baden-Baden: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17160-teleologie-und-politische-vernunft_19741, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19741 Rezension drucken
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