/ 18.06.2013
Carl Schmitt (Hrsg.)
Tagebücher. Oktober 1912 bis Februar 1915. Hrsg. von Ernst Hüsmert
Berlin: Akademie Verlag 2003; XI, 431 S.; geb., 44,80 €; ISBN 3-05-003731-8Nachdem der Akademieverlag im Jahr 2000 die „Jugendbriefe" (1905-1913) des berühmten Juristen und politischen Denkers herausgegeben hatte, folgen nun die sich zeitlich anschließenden Tagebücher. Zunächst erfährt der Leser viel über Schmitts Privatleben, seine Beziehung zu seiner späteren ersten Ehefrau, zu seinen Freunden sowie seine berufliche Situation. Neben den alltäglichen Anekdoten, die zum biografischen Verständnis dienen, bieten diese Notizen zweierlei. Zum einen veranschaulichen sie die breite intellektuelle Auseinandersetzung mit Weininger, Vaihinger, Rathenau, Strindberg, Stammler, Mauthner und natürlich Däubler. Zum anderen spiegeln die Tagebücher am Beispiel des mittellosen Intellektuellen Schmitt auch die Stimmung einer Generation wieder: Boheme, Hass auf den Philister, Schwanken zwischen Hybris und Larmoyanz, Selbstmordgedanken, Nietzsche, Kulturpessimismus, kafkaeske Schreibweise, Sachlichkeit, Antisemitismus und unpolitische Beschaulichkeit. Dies wird durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges teilweise gebrochen, teilweise verstärkt: Während sein jüdischer Freund Eisler, dem er später sein Hauptwerk widmen sollte, bereits 1914 fällt und Schmitt den Verlust durch die Lektüre Kierkegaards zu bewältigen versucht, enden die Tagebücher bürgerlich: er besteht sein Assessorexamen, heiratet und meldet sich freiwillig zum Armeedienst. Die Tagebücher sind ausgezeichnet editiert. Neben der Einführung des Herausgebers findet sich ein umfangreicher Anhang mit Abbildungen, einer Auswahl von Veröffentlichungen Schmitts, einzelnen Rezensionen zu seinen frühen Arbeiten, einigen Kurzbiografien sowie Kierkegaards „Der Begriff der Angst".
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Carl Schmitt (Hrsg.): Tagebücher. Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20158-tagebuecher_23482, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23482
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
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