/ 20.06.2013
Gerhard Scheit
Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt
Freiburg i. Br.: Ça ira 2004; 616 S.; 29,- €; ISBN 978-3-924627-87-4„Der einzelne, der sich opfert, um möglichst viele Menschen zu töten, verwirklicht die zeitgemäße Form von Gemeinschaft“ (12), schreibt der Wiener Kulturwissenschaftler Scheit. Bei dieser direkt vom deutschen Faschismus inspirierten Anstrengung gehe es „immer um die Vertreibung und Ermordung der Juden“ (11). Zwar gab es keine nationalsozialistischen Selbstmordattentäter und zahlreichen gegenwärtigen Selbstmordanschlägen fallen vor allem Muslime zum Opfer, aber diese Feinheiten spielen für Scheits weitere Argumentation keine Rolle. Sein Ansatz ist vielmehr, unter Bezugnahme auf verschiedene Staats- und Rechtstheorien Fragen zu stellen, „denen man sonst gerne ausweicht“ (11). Aber wer ist „man“? Und welche Fragen? In seinen Ausführungen streift Scheit neben Psychoanalyse, Marxismus, Zionismus und Postfaschismus unter anderem auch Adorno, Brecht und Strawinsky. Die gegen Juden gerichteten Selbstmordattentate, schreibt der Autor, „gelten der Diplomatie und der Öffentlichkeit – unausgesprochen und unverhohlen – als eine Form der Mitbestimmung in der internationalen Politik, und wirklich sind sie der zeitgemäße Inbegriff des Selbstbestimmungsrechts der Völker“ (368). Man könnte diese Statements als zynisch ansehen, überzeugend sind sie jedenfalls nicht.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.25 | 2.23 | 5.42 | 2.63 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Gerhard Scheit: Suicide Attack. Freiburg i. Br.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25345-suicide-attack_29365, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29365
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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