/ 18.06.2013
Hans Lemberg / Michaela Marek / Zdeněk Beneš / Dušan Kováč (Hrsg.)
Suche nach Sicherheit in stürmischer Zeit. Tschechen, Slowaken und Deutsche im System der internationalen Beziehungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Essen: Klartext 2009 (Veröffentlichungen der Deutsch-Tschechischen und Deutsch-Slowakischen Historikerkommission 16; Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa 31); 449 S.; brosch., 34,95 €; ISBN 978-3-89861-127-5Mit diesem Band, in dem der Blick vor allem auf die internationalen Beziehungen gerichtet wird, wollen die Herausgeber ein „ausgleichendes Gegengewicht“ zu dem in der Öffentlichkeit vorherrschenden Eindruck schaffen, bei den deutsch-tschechischen bzw. deutsch-slowakischen Beziehungen hätten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Lebensbedingungen der Sudeten- und Karpatendeutschen „dominierend im Vordergrund gestanden“ (12). Die Überblicksdarstellung umfasst drei Phasen. Für die erste steht ein Rückblick auf die böhmische Frage in der deutschen und österreichischen Politik bis 1918 – die, wie Jan Křen schreibt, nie einen solchen Bekanntheitsgrad und Rückhalt besaß wie die Frage der polnischen und ungarischen nationalen Selbstbestimmung. Die Analysen der zweiten Phase, die Zwischenkriegszeit, beginnen mit einem Beitrag über Edvard Beneš, der sich als erster Außenminister des neuen Landes im Völkerbund „um die Ausarbeitung einer internationalen Rechtsordnung auf der Grundlage des Prinzips des friedlichen Zusammenlebens und der Zusammenarbeit“ (49, Eduard Kubů) bemühte. Ein weiteres zentrales Thema ist der Minderheitenschutz, behandelt werden ferner die Außenpolitik des Deutschen Reichs sowie die Sicherheitsgarantien und insbesondere die französische Haltung nach dem Münchener Abkommen. Die dritte Phase umfasst die ersten Nachkriegsjahre einschließlich der erzwungenen tschechoslowakischen Ablehnung des Marshall-Plans – und damit die notgedrungene Einsicht des Landes, dass eine Politik des Mittelweges, eine „Brücken-Politik“ (311, Slavomír Michálek), unmöglich zu realisieren war. Schließlich analysiert im umfangreichsten Beitrag Vilém Prečan die Folgen des kommunistischen Februarputsches von 1948 auf das internationale System, die Überraschtheit der westlichen Demokratien, die wirkungslose trilaterale amerikanisch-britisch-französische Deklaration, die Neuausrichtung der westlichen Haltung gegenüber dem neuen Regime und vor allem die Beschleunigung der Blockbildung. Die Beiträge gehen auf eine Tagung der Historikerkommission zurück, die bereits 1999 in Hamburg stattfand.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.1 | 4.42 | 4.22 | 2.61 | 2.22 | 2.25 | 2.62 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hans Lemberg / Michaela Marek / Zdeněk Beneš / Dušan Kováč (Hrsg.): Suche nach Sicherheit in stürmischer Zeit. Essen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18923-suche-nach-sicherheit-in-stuermischer-zeit_21954, veröffentlicht am 10.06.2009.
Buch-Nr.: 21954
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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