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/ 11.06.2013
Roxana Mahdavi

Subjekt, Geschichte, Krieg. Das Phänomen Rassismus hinsichtlich der erkenntnistheoretischen Konzepte von Subjekt und Werden betrachtet

Berlin: dissertation.de 2006; 387 S.; 49,- €; ISBN 978-3-86624-141-1
Diss. FU Berlin. – Der Titel deutet bereits an, dass der Rassismus sehr grundsätzlich angegangen wird. So bietet das Buch einen 250-seitigen Ritt durch die Philosophiegeschichte (von den Vorsokratikern bis Darwin), gerahmt von einem Referat Foucaults, dem die Autorin ihre Kriterien entnimmt. Eine klare Fragestellung liegt nicht vor, vielmehr wird der Leser auf den beiden ersten Seiten mit einer Fülle von Fragen konfrontiert. Von Rassismus ist nur indirekt die Rede, Thema ist vielmehr, welches Menschenbild die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts entwickelt habe, an dem der rassistische Diskurs anknüpfen und sich somit etablieren konnte. Mit Foucault wird beteuert, dass dieser Diskurs zum einen die Universalität des Menschen negiere und zum anderen eine biologische Determiniertheit behaupte. Verbunden mit einer einlinigen Entwicklungsgeschichte und einer geläufigen Kampfmetaphorik führe dies dazu, dass man die Ausrottung der anderen als Bedingung des eigenen Überlebens fordern konnte. Aufgerichtet worden sei der rassistische Diskurs von der zentrierten Macht als Gegenentwurf zum revolutionären Diskurs – also Rassenkampf statt Klassenkampf. Um zu verdeutlichen, dass dieses Menschenbild sich erst im 19. Jahrhundert entwickelt habe und im Gegensatz zum universalen und offenen Menschenbild der westlichen Philosophie stehe, schildert Mahdavi im Rückgriff vornehmlich auf Lexikonartikel und direkte Zitate die anthropologischen, erkenntnistheoretischen, ethischen und transzendentalphilosophischen Grundeinsichten der westlichen Geistesgeschichte. Selbstverständlich hat dieses Werk auch eine politische Botschaft: Es genüge nicht, den Rassismus zu kritisieren; sofern man sich nicht auch von dessen wissenschaftlichem Diskurs distanziere, verbleibe man in demselben Fahrwasser, teile dieselben Prämissen.
Volker Stümke (VS)
Dr., evangelischer Theologe, Priv.-Doz. für evangelische Sozialethik, Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg.
Rubrizierung: 5.15.32.23 Empfohlene Zitierweise: Volker Stümke, Rezension zu: Roxana Mahdavi: Subjekt, Geschichte, Krieg. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9544-subjekt-geschichte-krieg_31516, veröffentlicht am 06.03.2008. Buch-Nr.: 31516 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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