/ 22.06.2013
Hans-Jörg Bücking / Günther Heydemann (Hrsg.)
Streitkräfte im Nachkriegsdeutschland
Berlin: Duncker & Humblot 2011 (Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung); 193 S.; 78,- €; ISBN 978-3-428-13522-6Der Band versammelt Beiträge zur Geschichte der Bundeswehr und der NVA. Klaus Olshausen skizziert in seinem Beitrag zur Strategieentwicklung und Streitkräfteplanung der Bundeswehr im Kontext der NATO und EU die strategische Situation des Kalten Krieges, die anfänglich durch sowjetisches Expansionsstreben und das Nuklearwaffenmonopol der USA charakterisiert gewesen sei. Olshausen verbindet die Rüstungsstrategie kausal mit der Wirtschaftspolitik. Er führt aus, dass der forcierte ökonomische Wiederaufbau in Westeuropa alle Ressourcen verschlang, die daraufhin nicht mehr zur konventionellen Verteidigung zur Verfügung standen und somit wurde die konsequente Strategieoption „der massiven (nuklearen) Vergeltung“ (70) entwickelt. Eine Art von Friedensdividende sei nach 1989 jedoch ausgeblieben, da sich neue Herausforderungen entwickelten, v. a. die Bekämpfung nicht-staatlicher Akteure. Anschließend plädiert der Autor dafür, die Strategieplanung anhand von Faktoren wie Eintrittswahrscheinlichkeit, Maß der Betroffenheit und Intensität des Engagements auszurichten. Wie genau diese Aspekte jedoch als valide Kriterien aussehen könnten, erklärt Olshausen leider nicht. Eckart von Klaeden widmet sich in seinem Beitrag einer Auseinandersetzung mit dem 2004 in Kraft getretenen Parlamentsbeteiligungsgesetz (PBG). Er kritisiert, dass entgegen der öffentlichen Meinung oder derjenigen der Opposition das Parlament bei Auslandseinsätzen nicht zu wenig, sondern zu viel Mitspracherechte habe. Zudem werde dadurch die Verantwortlichkeit zwischen Regierung und Parlament verwässert. So hätten die sechs Recce-Tornados im März 2007 zur Unterstützung der ISAF-Truppen auch schlicht ohne Beteiligung des Parlaments entsandt werden können, meint zumindest Klaeden. Das PBG müsse so reformiert werden, dass die „Möglichkeit zur abgestuften Beteiligung des Parlaments“ (104) genutzt werde, denn dieses verfüge nicht „über die erforderlichen Kenntnisse und Ressourcen“ (105). Die Beiträge des Bandes gehen zum Teil auf die 29. Jahrestagung der Gesellschaft für Deutschlandforschung im März 2007 in Berlin zurück.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.31 | 2.313 | 2.314 | 2.324 | 4.21
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Hans-Jörg Bücking / Günther Heydemann (Hrsg.): Streitkräfte im Nachkriegsdeutschland Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33957-streitkraefte-im-nachkriegsdeutschland_40699, veröffentlicht am 01.03.2012.
Buch-Nr.: 40699
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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