/ 06.06.2013
Rainer Eisfeld
Streitbare Politikwissenschaft. Studien zu Demokratisierung, politischer Kultur und wissenschaftlicher Verantwortung. Mit einer Einführung von Michael Th. Greven
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006; 348 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8329-2050-1Das Buch versammelt eine Reihe verstreuter Aufsätze des Osnabrücker Professors für Politikwissenschaft. Rainer Eisfeld ist dem Fachpublikum vor allem mit seiner Studie „Ausgebürgert und doch angebräunt“ (1991) über die Verstrickung der deutschen Politikwissenschaft mit dem Nationalsozialismus bekannt geworden. Der Aufsatzband gibt nun einen Eindruck von den publizistischen Ergebnissen seiner weiteren Forschungsschwerpunkte. Der Titel des Buches spielt auf das von Greven im einleitenden Beitrag beschriebene ideelle Zentrum der Eisfeldschen Überlegungen an: eine kritische Politikwissenschaft, die auf Pluralismus, Partizipation und einen anspruchsvollen Begriff politischer Gleichheit zielt. Diese kritische Politikwissenschaft, so hält Greven fest, gehe nicht im Neomarxismus auf. Eisfelds Theorie des sozialistischen Pluralismus knüpfe im Gegenteil vor allem bei den nichtmarxistischen Traditionen der Arbeiterbewegung – in erster Linie bei Harold J. Laski – an. Zu den nun abgedruckten Beiträgen Eisfelds zählt unter anderem „Fortschritt durch Vernichtung“, ein Nachwort zum Bericht eines französischen Mittelbau-Dora-Häftlings über die Zwangsarbeit in der deutschen Raketenfertigung am Ende des Zweiten Weltkrieges. Außerdem bilanziert Eisfeld seine Forschungen zur „Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei“ und benennt deutlich die Verdrängungsgeschichten deutscher Technikpioniere. In „Deutscher Präfaschismus und englische ‚Tory Democracy’: Ursachen und Folgen konservativer Alternativentwicklung im 19. Jahrhundert“ beschäftigt er sich ferner mit der deutschen „Sonderwegsthese“ – einzelne Elemente des „Präfaschismus“ weist er im späten deutschen Kaiserreich detailliert nach. Auch darin zeigt sich das „Streitbare“ der Politikwissenschaft Eisfelds.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 1.1 | 2.2 | 2.23 | 2.35 | 2.61 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Rainer Eisfeld: Streitbare Politikwissenschaft. Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9009-streitbare-politikwissenschaft_31290, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 31290
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA