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/ 06.06.2013
Mario A. Cattaneo

Strafrechtstotalitarismus. Terrorismus und Willkür. Aus dem Italienischen von Thomas Vormbaum

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2001 (Juristische Zeitgeschichte 7); XII, 290 S.; geb., 45,50 €; ISBN 3-7890-7083-1
In dieser rechtsphilosophischen Arbeit widmet sich der Autor der Rolle des (Straf-)Rechts im Totalitarismus. Dabei arbeitet er mit zwei unterschiedlichen Rechtsbegriffen: Recht als das gerechte Recht, das Naturrecht, das im Englischen mit "right" übersetzt wird und Recht, welches das positive Recht, das bestehende Gesetz meint, das im Englischen mit "law" gefasst wird. Wie wurde das Recht nun im Totalitarismus eingesetzt? Cattaneo geht es darum herauszuarbeiten, "wie der Totalitarismus - durch eine völlige Zerstörung des Rechts im erstgenannten Sinne - ein Reich der Willkür errichtet und damit das positive Recht völlig zum Diener der politischen Macht erniedrigt. Im Totalitarismus erleben wir die Perfektionierung und Verfeinerung der Idee des Rechts als 'sozialer Kontrolle'" (2). Cattaneos Betrachtungen bleiben nicht auf die bloße Analyse des Totalitarismus des zwanzigsten Jahrhunderts beschränkt, sondern führen zu Schlussfolgerungen, die zu Wachsamkeit auch in der gegenwärtigen rechtsstaatlich gefassten Demokratie raten lassen: Der Totalitarismus ist "auch nach seinem allgemeinen Zusammenbruch kein abgeschlossenes, gänzlich verschwundenes Phänomen" und der Rechtsstaat "keine ein für allemal gesicherte Errungenschaft", sondern in ständiger Gefahr. "Das Strafrecht hat gerade in der posttotalitären Epoche eine enorme Ausweitung erfahren. [...] Das Verständnis des Strafrechts als Kampfrecht [...] ist leider wieder gängig." Allzu häufig werde die Mahnung des Rechtswissenschaftlers Eser vergessen, "daß 'Strafrecht nicht um der Strafe, sondern um des Rechtsgüterschutzes willen da ist.' [...] Die Schwächung dieses Grundsatzes, der Ruf nach Strafe um ihrer selbst willen, der Ruf nach Rache, eine rächende vermeintliche 'Gerechtigkeit', das Vorherrschen einer Scharfrichtermentalität und eines 'richterlichen Moralismus' - dies sind Erscheinungen, die sich in den letzten Jahren in beängstigender Weise gehäuft haben" (285). Inhalt: I. Vom Despotismus zum Totalitarismus; II. Philosophische Grundlagen des juristischen Totalitarismus; III. Das Rechtsproblem im Kommunismus; IV. Nationalsozialistische Rechtslehre; V. Staat und Recht im Faschismus.
Detlef Lemke (LE)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.252.3122.615.335.44 Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: Mario A. Cattaneo: Strafrechtstotalitarismus. Baden-Baden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8779-strafrechtstotalitarismus_17151, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17151 Rezension drucken
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