/ 11.06.2013
Claudia Rademacher / Markus Schroer / Peter Wiechens (Hrsg.)
Spiel ohne Grenzen? Ambivalenzen der Globalisierung
Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999; 295 S.; brosch., 59,80 DM; ISBN 3-531-13356-XEs bedarf keiner großen prophetischen Gabe für die Behauptung, der sogenannte Globalisierungsdiskurs werde dem Diskurs über die "Postmoderne" bald den Rang abgelaufen haben. Vermutlich übt der Begriff der Globalisierung auf die öffentliche Debatte eine noch stärkere Suggestivkraft aus als der der Postmoderne, läßt er sich doch thematisch wie politisch mit einem breiten Spektrum ganz unterschiedlicher Assoziationen verknüpfen. Das betrifft etwa seine Verwendbarkeit für eine Reaktivierung marxistischer (Welt-)Systemkritik ebenso wie für die Vision einer "reflexiven Moderne" jenseits des Links-Rechts-Schemas; das gilt aber auch für die durchaus konträren Diagnosen hinsichtlich der Globalisierungsfolgen, die teils eine steigende Homogenisierung, teils eine zunehmende Heterogenisierung kultureller Orientierungen erwarten. Wenn zudem noch der Begriff in seiner engeren - ökonomischen - Bedeutung empirisch wenigstens als problematisch gelten muß, dann sollten sich die Sozialwissenschaften nur mit einer methodisch gesicherten Distanz auf ihn einlassen. In dieser eher begriffs-skeptischen Perspektive setzen sich die Beiträge des Bandes mit dem "G-Wort" auseinander, wobei ihr Interesse stärker auf die kulturellen als die ökonomischen Aspekte von Globalisierung gerichtet ist. Der Band ist aus einer vom Münsteraner Forschungskolloquium "Gesellschaftstheorie und Zeitdiagnose" veranstalteten Tagung hervorgegangen.
Inhalt: Rolf Eickelpasch: Globalisierung. Zur Suggestivkraft einer Metapher (9-20); Karl Otto Hondrich: Globalisierung der Wirtschaft - Globalisierung der Werte? (21-33); Hans-Dieter Evers / Solvay Gerke: Globale Märkte und symbolischer Konsum. Visionen von Modernität in Südostasien (35-52); Rüdiger Korff: Globalisierung, nationale Integration und Erfindung lokaler Traditionen als interdependente Prozesse in Südostasien (53-79); Ditmar Brock: Bananenrepublik Deutschland? Über strukturelle Grenzen nationalstaatlicher Politik (81-106); Klaus Kraemer: Globale Gefahrengemeinde? Ulrich Becks Nivellierungsthese und die Verteilungsrelevanz der globalen Umweltnutzung (107-143); Peter A. Berger: Kommunikation ohne Anwesenheit. Ambivalenzen der postindustriellen Wissensgesellschaft (145-167); Mike Featherstone: Globale Stadt, Informationstechnologie und Öffentlichkeit (169-201); Michael Brinkschröder: Klassenstruktur und Vergemeinschaftung im Postfordismus (203-237); Alois Hahn / Cornelia Bohn: Fremdheit und Nation. Inklusion und Exklusion (239-253); Claudia Rademacher: Ein "Liebeslied für Bastarde"? Anmerkungen zum Hybridisierungskonzept im Globalisierungsdiskurs (255-269); Peter Wiechens: Subversive Komplizenschaft. Postkolonialismus als kulturelle Kristallisation (271-290).
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 4.43 | 2.68 | 2.3 | 5.42 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Claudia Rademacher / Markus Schroer / Peter Wiechens (Hrsg.): Spiel ohne Grenzen? Opladen/Wiesbaden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10776-spiel-ohne-grenzen_12743, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12743
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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