/ 21.06.2013
Claudia Lohrenscheit (Hrsg.)
Sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht. Mit herausgegeben vom Deutschen Institut für Menschenrechte
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009; 297 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8329-3781-2Menschenrechte betreffen eine Dimension von Ansprüchen, die uns zustehen – jenseits territorial gebundener Rechtstitel, wie sie sich aus der Staatsbürgerschaft ergeben. Dieser nationalstaatliche Zuständigkeiten übergreifende Universalismus der Menschenrechte, normativ durch zahlreiche internationale Vereinbarungen abgesichert, artikuliert mit dem Recht auf freie Selbstbestimmung die Anerkennung einer Gleichheit, die allen Menschen – wie Hannah Arendt sagen würde – aufgrund ihrer Natalität zukommt. Welche gesellschaftlichen Praktiken indes als selbstbestimmungsrelevant gelten, ist kulturell und historisch variabel. Individueller oder kollektiver Widerstand gegen Unrechtserfahrungen fungiert dabei als Motor einer zunehmend substanzielleren Interpretation dessen, was allein in den Entscheidungsbereich individueller Autonomie gehören sollte. Trotz der unstrittigen Fortschritte, die im Rahmen der EU mit den alle Mitgliedstaaten verpflichtenden Gleichbehandlungsrichtlinien erreicht worden sind, ist das Feld der sexuellen Selbstbestimmung immer noch ein Bereich, in dem offene oder verdeckte Diskriminierungen nahezu alltäglich sind. Die Autorinnen und Autoren behandeln beide Aspekte. Zum einen werden rechtspolitische Entwicklungen zu Fragen der sexuellen Selbstbestimmung von Lesben, Schwulen, von Trans- und Intersexuellen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene diskutiert. Zum anderen wird aus der Perspektive unterschiedlicher Betroffenengruppen anhand zahlreicher Beispiele gezeigt, in welchem Maße konventionelle Sexualitäts- und Geschlechternormen die Grundlage von Diskriminierung und Gewalt bilden. Der Sammelband ist aus einer 2007/2008 am Deutschen Institut für Menschenrechte durchgeführten Vortragsreihe hervorgegangen. Als Anhang ist der Alternativbericht des Vereins intersexueller Menschen e. V./XY-Frauen zum 6. Staatenbericht der Bundesregierung zur UN-Frauenrechtskonvention beigefügt.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.42 | 2.263 | 2.343 | 2.36 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Claudia Lohrenscheit (Hrsg.): Sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30826-sexuelle-selbstbestimmung-als-menschenrecht_36629, veröffentlicht am 02.09.2009.
Buch-Nr.: 36629
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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