/ 22.06.2013
Irene Brickner
Schwarzbuch Menschenrechte. Worüber Österreich schweigt. Mit einem Vorwort von Heinz Patzelt
St. Pölten: Residenz Verlag 2012; 220 S.; 25,- €; ISBN 978-3-7017-3171-8Die österreichische Journalistin Brickner geht von einem Grundgedanken aus, der weithin als Allgemeingut verstanden wird – den bürgerlichen Rechten, jenen, „die dem Individuum Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit garantieren“ (137) und untrennbar verbunden mit Fragen der sozialen Absicherung, von Solidarität und Schutz vor Armut sind. In ihrem Land aber sieht sie die Allgemeingültigkeit dieser Rechte infrage gestellt. Brickner schildert beispielhaft Menschen, die Asyl suchen und wie Feinde behandelt werden, oder die aufgrund ihres nichtösterreichischen Aussehens, ihrer Homosexualität oder ihrer Behinderung diskriminiert werden. Ein weiteres Kapitel ist armen Menschen gewidmet, thematisiert wird ferner die Gefährdung der Meinungsfreiheit, als herausragendes Beispiel dient ein Prozess gegen Tierschützer. Brickner nimmt sich dieser verschiedenen Schicksale nicht nur engagiert an, sondern ergänzt die Eindrücke jeweils mit Experteninterviews, unter anderem mit einer Traumaexpertin, die Folter- und Kriegsüberlebende unterstützt, sowie mit dem Armutsforscher Martin Schenk. In diesen Interviews werden die Erlebnisse der einzelnen Menschen nicht nur in den gesamtösterreichischen Kontext gestellt, sondern auch in einen europäischen. So weist Schenk beispielsweise darauf hin, dass die sozialen Richtlinien mittlerweile großteils in der EU entstehen, auf der Ebene der Kommission aber meist nur über Wirtschaftspolitik und Bankenrettung geredet werde. Besonders in Fragen der sozialen Gerechtigkeit ist Schenk der Ansicht, „dass Menschenrechte ein kritisches Korrektiv für alle derzeit existierenden Ausprägungen des kapitalistischen Systems sind“ (156). Insgesamt wird aber deutlich, dass Österreich selbst viel für die Verbesserung der Menschenrechtssituation vor allem derjenigen, die nicht der Mehrheitsgesellschaft angehören, tun könnte; die politische Kultur des Landes erscheint in diesem Buch vor allem mit Blick auf die Phänomene Rassismus und Fremdenfeindlichkeit als stark überarbeitungsbedürftig.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.4 | 2.263 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Irene Brickner: Schwarzbuch Menschenrechte. St. Pölten: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35001-schwarzbuch-menschenrechte_42110, veröffentlicht am 02.08.2012.
Buch-Nr.: 42110
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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